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AUS DEM ALPHA JET-PROGRAMM

Dornier und Dassault-Breguet, das Bundesministerium der Verteldigung und das französische Ministère des Armées feierten unlängst den überaus erfolgreichen Beginn der Flugerprobung des Prototyps 01 aus dem Programm Alphe Jet. Dieses Programm gilt als ein hervorragendes Beispiel einer bilateralen Kooperation zwischen Unternehmen bzw. zwischen den ausführenden Behörden.

Die Vorarbeiten zu einem Flugzeug dieser Klasse begannen bei den beiden genannten Unternehmen zunächst getrennt vor etwa fünf bis sechs Jahren. Die Zusammenarbeit zwischen Dornier und Dassault-Breguet wurde im Januar 1969 vereinbart. Die deutsche und französische Regierung schrieben im Mai 1969 einen Wettbewerb aus, der mit der Wahl des Alpha Jet im Juli 1970 einen ersten Abschluß fand. Der Definitionsbericht wurde im Februar 1971 abgeliefert; ein Jahr später verkündeten die beiden Regierungen die gemeinsame Entwicklung des Alpha Jet mit der Absicht, daß beide Länder insgesamt 400 Flugzeuge beschaffen. Das Programm soll durch die 'vertraglichen Phasen I, II und III, Entwicklungsphase, Serienreifmachung und Serie gekennzeichnet sein. Die Phase I, also der Entwicklungsphasenvertrag, wurde am 25. Mai 1972 ratifiziert. Phase I umfaßt die Arbeiten bis zum Erstflug das Prototyps 04.

Dem Alpha Jet, dem möglicherweise später einmal ein Beta Jet und andere Versionen folgen werden, sind zunächst folgende zwei Aufgaben gestellt:

  • in der Armée de l'Air sollen alle Piloten auf diesem Muster geschult werden - von der Anfangsschulung mit IFR- und Kunstflugtraining bis zur Fortgeschrittenenschulung mit Kanonenschießen auf Luft- und Bodenziele, mit Raketenschießen und Bombenabwurf. Aufgrund dieses Spektrums kann das Flugzeug auch bei den französischen Luftstreitkräften zur Erdkampfunterstützung eingesetzt werden.
  • in der Luftwaffe wird der Alpha Jet zur Luftnahunterstützung und zur Gefechtsfeldaufklärung eingesetzt werden.

Die Besonderheiten des Alpha Jet liegen darin, daß die Erfordernisse des vorliegenden Verteidigungsauftrages der Bundeswehr exakt der Entwicklung zugrundegelegt wurden - und nichts darüber hinaus. So ist beim Alpha Jet vor allem die Orientierung an amenkanischen oder auch anderen Maßstäben unnötig. Die taktische Forderung der Luftwaffe an den Alpha Jet ist als Luftnahunterstützung definiert. Diese besteht aus der direkten Unterstützung der Landstreitkräfte auf dem Gefechtsfeld und in besonderen Fällen auch in der Unterstützung der Seestreitkräfte im küstennahen Bereich. Ein solches Waffensystern kann mit geringem zusätzlilchen Kostenaufwand - mit der Ausstattung von Luftbildkameras - an eine weitere taktische Forderung angepaßt werden, an die Gefechtsfeldaufklärung. Obwohl dies nicht ausdrücklich Bestandteil der taktischen Forderungen ist, wird sich der Alpha Jet auch zur Hubschrauberjagd eignen.

So gesehen dient der Alpha Jet bei der Luftwaffe zur Ablösung des Flugzeugmusters Flat G. 91 R/3. Die mit diesem Muster ausgerüsteten leichten Kampfgeschwader 41 und 43 werden unter gleichzeitiger Umbenennurig in Jagdbomber-Geschwader in der zweiten Hälfte dieser Dekade umgerüstet worden. Die bisherige Waffenschule 50 wird als Lehr- und Versuchsgeschwader ebenso den Alpha Jet erhalten wie Teile des deutschen Luftwaffen-Übungsplatzkommandos in Decimomannu.

Der Alpha Jet wird imstande sein, eine definierte Waffenlast über einen Aktionsradius von etwa 390 km zu befördern. Bei der G. 91 R/3 betrug der Aktionsradius nur 130 km. Die Strukturfestigkeit des Alphe Jet liegt so hoch, daß bei gleichem Einsatzspektrum die 1,7fache Lebensdauer der G. 91 R/3 erreicht wird. Einschließlich anderer Vergleiche wird der Alpha Jet eine dreimal so große Kampfkraft haben wie die G. 91 R/3.

Die deutsche CAS-Version besitzt unter den Flügeln insgesamt 4 Flügelstationen für Außenlasten, wie Kraftstoffbehälter, Raketenbehälter, Bomben oder Aufklärungsbehälter. Unter dem Rumpf wird in einem abnehmbaren Behälter eine 30-mm-Kanone mit 150 Schuß mitgeführt werden. Zum Einbau gelangt entweder die französische Kanorie DEFA 553 oder die bei Mauser in Entwicklung befindliche MRCA-Kanone. An Außenlasten können insgesamt 2000 kg mitgeführt werden.

Die Phase I, die Entwicklungsphase, erforderte für die Bundesrepublik Deutschland Aufwendungen in Höhe von DM 322,2 Mio. Die Phase II, die Phase der Produktionsvorbereitung und der Serienreifmachung, soll Aufwendungen in Höhe von DM 337 Mio. erfordern. Hinzu kommen Kosten für die Vorbereitung der Infrastruktur bei der Luftwaffe. In der Phase III, in der Serienphase, worden Aufwendungen von etwas mehr als DM 6 Mio. pro Flugzeug nach Preisen vom 31. 12.1972 erforderlich sein.

Für die Anfinanzierung der Serie werden im Haushalt 1974 des Bundesministeriums der Verteidigung DM 240 Mio. angefordert. Ferner sollen im Haushalt 1974 Verpflichtungsermächtigungen von DM 1,28 Mrd. gebilligt werden, die in den Jahren 1975 bis 1979 in unterschiedlichen Beträgen fällig werden.

Der Serienvertrag soll zum 1. 8. 1974 abgeschlossen sein. Er sieht vor, daß die Teilefertigung für die Serie am 1. 1. 1975 aufgenommen wird. Der Erstflug der ersten Serienmaschine erfolgt dann Mitte 1976 so rechtzeitig, daß die Auslieferungen im Herbst 1976 einsetzen. Bis Ende 1977 soll die monatliche Produktionsrate auf bis zu 10 Flugzeuge gebracht werden. Die Produktionsspitze sieht von Mitte 1978 bis Mitte 1979 eine monatliche Ausbringung von 16 Flugzeuge vor. Die letzten beiden Flugzeuge aus der für die deutsche und französische Luftwaffe vorgesehenen Serie von 396 Flugzeugen sollen im Februar 1980 ausgeliefert werden.

Unabhängig von diesem Plan betreibt vor allem Dassault-Breguet den Export dieses Flugzeugs, dessen Exportchancen auf 1000 bis 1500 Stück beziffert werden. Belgien ist mit 32 Flugzeugen erster Exportkunde.


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Last updated January 4, 1999
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