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SONNENSONDE HELIOS

Im Schatten der mehr spektakulären Ereignisse der Raumfahrtentscheidungen des letzten Jahres stand die deutsch-amerikanische Sonnensonde Helios, das größte kooperative Program,m der NASA und des Bundesministeriums für Forschung und Technologie. Die Sonde soll der Erforschung des sonnennahen Raumes und der Wechselbeziehungen Erde/Sonne dienen. Kein Raumfahrzeug wird der Sonne so nahe kommen, wie es für Helios geplant ist. Innerhalb der Zusammenarbeit finanziert die Bundesrepublik die Sonde und acht Experimente, während die USA die beiden Träger und drei Experimente stellen. Auf der deutschen Seite Ist das Projekt nach dem Hauptauftragnehmerprinzip strukturiert: mit der Gesellschaft für Weltraumforschung (GfW) als Auftraggeber, Messerschmitt-Bölkow-Blohm als industriellem Hauptauftragnehmer und 12 Unterauftragnehmern In Europa und in den USA. Helios wurde 1966 vereinbart; 1969 wurden Projektziele und Mission definiert. Der Hauptauftrag wurde Im April 1970 vergeben; die Entwicklungsphase wurde Ende 1972 abgeschlossen.

Die 11 Hellos-Experimente konzentrieren sich auf vier Hauptgeblete: 1. Partikel, 2. interplanetare Magnetfelder, 3. kosmischer Staub und 4. relativistische Effekte. Die Partikel-Experimente dienen der Untersuchung des Sonnenwindes der kosmischen Strahlung und der solaren Röntgenstrahlung. Die Magnetfeldexperimente liefern Informationen über magnetische Gleich- und Wechselfelder und tragen damit zum Verständnis der Struktur des interplanetaren Raumes bei. Zwei Experimente liefern Daten über die Zusammensetzung fester Materie Im Interplanetaren Raum (kosmischer Staub)., Damit werden Rückschlüsse auf die Entstehung des Sonnensystems erwartet. Relativistische Effekte werden. von Himmelsmechanikexperimenten untersucht. Ziel der Messung ist die Überprüfung grundlegender Parameter der allgemeinen Relativitätstheorie, die Schlüssel zum Verstandnis kosmischer Phänomene, wie "schwarze Löcher", Doppelsterne u. a. m. sind.

Nach der gegenwärtigen Schätzung beträgt der zu erwartende Kostenüberlauf weniger als 15 Prozent und liegt damit unter vergleichbaren amerikanischen Projekten. Die Gesamtkosten werden bis 1975 auf DM 240 Mio. geschätzt; zur Zeit liegen sie bei etwa DM 215 Mio. Die für den Projektverlauf wesentlichen Starttermine Im Oktober 1974 für Helios A und im November 1975 für Helios B können eingehalten werden. Der Prototyp PT gling nach der Integration im Januar 1974 in den System-Qualifikationstest. Die Abnahmetests der 1. Flugeinheit F1 sollten Im März beginnen. Nach erfolgreicher Abnahme wird das Gerät im Juli 1974 bei der Flight Readiness Review durch die NASA und durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie zum Start freigegeben.

Während der Entwicklung konnten die aufgetauchten Probleme gemeistert werden. Besondere Schwierigkeiten entstanden aus dem großen Bereich der Solarintensität, dem der thermische Entwurf angepaßt werden mußte. Weitere Schwierigkeiten entstanden infolge der maximalen Entfernung von 300 Mio. km, die bei der Kommandogabe und Datenübertragung überbrückt werden muß. Bei dieser Entfernung hat ein Kommando eine Laufzeit von 16 Minuten zwischen Bodenstation und Sonde.

Schon heute werden die Erfahrungen mit Helios wie folgt zusammengefaßt:

  • Eine Mission mit der 1969 geplanten Annäherung an die Sonne und dem vorgesehenen Umfang an wissenschaftilchen Daten ist realistisch.
  • Das Hauptauftragnehmer-Prinzip hat sich bewährt.
  • Der Transfer von know-how zwischen den USA und der Bundesrepublik war für beide Länder fruchtbar.
  • Das Fehlen von Projekt-Finanzreserven erschwerte termingerechte Entscheidungen und verursachte bei der Industrie Vorfinanzierungen von etwa DM 30 Mio.

Die Hauptauftragnehmer und wissenschaftlichen Institute sind insgesamt optimistisch und erwarten, daß die 1969 formulierten Missionsziele erreicht werden. Viele der Wechselwirkungen zwischen Sonne und Erde sind heute erst in ihren Ansätzen bekannt. Mit der deutsch-amerikanischen Sonnensonde Helios wird eine wesentliche Steigerung des Wissensstandes über die Sonne, der wichtigsten Energiequelle der Erde, erwartet.


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Last updated 10 March 1999
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