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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Profile | Datafiles | FR 4/74 SAAB 37 VIGGEN: SCHWEDENS MODERNSTES WAFFENSYSTEMZu den kampfstärksten Militärflugzeugen der Gegenwart gehört das schwedische Waffensystem Saab 37 Viggen, das in seinen Flugleistungen vergleichbaren Mustern in Ost und West nicht nachsteht. Es ist ferner das erste Kampfflugzeug der Welt, das mit Tandemflügeln ausgestattet ist - eine technische Lösung, die beträchtliches internationales Aufsehen erregte und hervorragende STOL-Eigenschaften ermöglicht. Die Serienfertigung der in jeder Beziehung einzigartigen Viggen wird bis Mitte der achtziger Jahre laufen. Die schwedische Landesverteidigung genießt hohes internationales Ansehen. Ihr Konzept beruht auf der Stützung einer langjährigen Politik der Nichtverpflichtung in Friedenszeiten und - soweit möglich - der Neutralität im Krieg. Dies ist auch der Grund dafür, daß die schwedische Bevölkerung ihre-Verteidigung als eine Art Versicherungspolice betrachtet und enorme finanzielle Mittel in die Entwicklung neuer Waffensysteme investiert. Schwedens Verteidigungsziele sind rein defensiver Natur, und die vorderste Abwehrlinie liegt aufgrund der geographischen Lage dieses Landes in der Luft. Deshalb ist auch die starke Konzentration auf Abwehrelemente in den Luftstreitkräften verständlich, wobei fast zwei Drittel der Kampfverbände aus Abfangjägerstaffeln bestehen. Den Rest bilden hochmobile Kampfflugzeuge für die Abwehr möglicher See- und Landangriffe sowie Aufklärungsstaffeln. Als Hauptwaffensystem der schwedischen Luftstreitkräfte, der Flygvapnet, gilt gegenwärtig das Mehrzweckkampfflugzeug Saab 37 Viggen, dessen Entwicklung mit ersten Studien schon im Jahr 1952 begann. Mehr als 100 verschiedene Vorschläge wurden während eines Zeitraums von sechs Jahren untersucht. Diese beinhalteten auch das Projekt des Systems 36, das jedoch über seine Vorentwurfsphase nicht hinauskam und vorzeitig eingestellt wurde. Den Entwurf des Systems 37 trieb man dagegen in der Folgezeit systematisch voran, bis er schließlich im Herbst 1961 akzeptiert wurde. Als Triebwerk wählte das schwedische Luflamt seinerzeit eine militärische Variante des bekannten zivilen Turbofans JT8D von Pratt & Whitney, mit dem auch die Boeing 727, 737 und Douglas DC-9 ausgerüstet sind. Nach der Vorlage des Projekts in seiner vorerst endgültigen, äußeren Konfiguration, die einen MehrzweckEinsitzer mit STOL-Eigenschaften vorsah, wurde die in Linköping ansässige Firma Saab im April 1962 als Hauptauftragnehmer für das System 37 bestimmt. Im Oktober 1962 lief die eigentliche Entwicklungsphase an, die einige Änderungen bzw. Verbesserungen mit sich brachte und im Mai 1963 zum "Einfrieren" des Projekts führte. Gleichzeitig legte man erste Termine fest, so daß nun auch das Konstruktionsbüro mit seiner Arbeit beginnen konnte. Parallel dazu erprobte man ab Juni 1963 die ersten amerikanischen Triebwerke und das neue Radargerät. Eine 1:1 Attrappe, die im Oktober 1963 entstand, diente zur Untersuchung des Einbaus von Geräten und Untersystemen. Sie war gleichzeitig für die Zellenkonstrukteure eine wertvolle Hilfe bei deren Arbeiten. Im Mai 1964 konnten die ersten Werkstattzeichnungen für den Prototyp 37-1 fertiggestellt und herausgegeben werden. Um aber auch die Kosten halten zu können, mußte man einige Teilentwicklungen kürzen. Die Fertigung des ersten Prototyps begann im September 1964. Mit einer entsprechend umgebauten Saab 32 Lansen wurde ab Februar 1965 die Avionik des Systems 37 erstmals im Flug erprobt. Es folgten Versuche mit dem Triebwerk, der Kraftstoffanlage und mit dem Flugregler. Aufgrund von Untersuchungen im Windkanal mußten im März 1966 der Flügel und die Klappen geändert werden. Zu einer Verzögerung in der Gesamtentwicklung kam es jedoch nicht, so daß man die Endmontage des Prototyps 37-1 im Oktober 1966 abschließen konnte. Nach dem Rollout und den üblichen Bodentests startete die Maschine am 8. Februar 1967 in Linköping unter der Führung von Cheftestpilot Eric Dahlström zu ihrem Erstflug, der bereits zur Erprobung der Flugeigenschaften diente. Am 21. September 1967 flog auch der zweite Prototyp, und sechs Monate später folgte die Saab 37-3. Für die Triebwerk- und Einsatzerprobung dienten die Prototypen 37-4 und -5, die am 28. Mai 1968 bzw. am 17 Mai 1969 erstmals flogen. Es wurden noch zwei weitere Prototypen gefertigt, deren letzter gleichzeitig der erste, mit SK 37 bezeichnete Doppelsitzer war. Alle sieben Maschinen flogen in der Folgezeit ein umfangreiches Versuchsprogramm mit über 3000 Flügen und etwa ebensovielen Flugstunden. Schon Mitte 1967 lief bei Saab die Serienfertigung des mit Viggen bezeichneten neuen Kampfflugzeugs an, und im Februar 1968 erhielt die Firma den Auftrag zur Lieferung von 100 Kampf- und Trainingsflugzeugen der Versionen AJ 37 und SK 37. Hinzu kam noch eine Option über weitere 75 Maschinen, die im Oktober 1970 in einen Auftrag umgewandelt wurde. Darüber hinaus erhielt Saab im Dezember 1970 den Auftrag zur Entwicklung einer Aufklärungsversion der Viggen, deren Detailkonstruktion schon vier Vochen später begann. Das Viggen-Programm läuft gegenwärtig auf vollen Touren, und bereits Mitte 1971 übernahm die schwedische Luftwaffe ihre ersten Maschinen. Die in Satenäs in Westschweden stationierte Flygflottilj 7 rüstete als erste Einsatzstaffel auf den Jagdbomber AJ 37 und den Trainer SK 37 um. Die gegenwärtige Planung sieht die Fertigung und Beschaffung von insgesamt 400 Viggen für die Flygvapnet vor. Außerdem sind die Niederlande, die Schweiz und Australien dabei, die Viggen auf ihre Verwendbarkeit hin zu untersuchen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland stießen die außergewöhnliche Konzeption sowie die hervorragenden Flugleistungen und -eigenschaften dieses Flugzeugs auf lebhaftes Interesse. So gehört zu den zahlreichen Projekten für das NKF (Neues Kampfflugzeug), die in den Jahren 1967/68 bei der Entwicklungsring Süd GmbH in München untersucht wurden, auch ein mit Typ 375 bezeichneter Entwurf. Dieser stellte ein doppelsitziges STOL-Kampfflugzeug mit zwei Triebwerken und doppeltem Seitenleitwerk dar, der in seiner Tragwerkauslegung der Saab 37 Viggen sehr nahekam. Die Firma Dornier schlug im Jahre 1971 im Rahmen besonderer Studien einen mit Do P 471 bezeichneten zweistrahligen Gefechtsfeldjäger mit STOL-Eigenschaften vor, dessen äußere Auslegung ebenfalls der Viggen ähnelte. Die Gesamtentwicklung des Waffensystems Viggen stellt nicht nur das bisher technisch und finanziell aufwendigste Verteidigungsprojekt Schwedens, sondern ohne Zweifel auch eines der ehrgeizigsten Flugzeugprogramme der Weit dar. Technische Beschreibung der AJ 37 Bei der Standardversion der Viggen, der AJ 37, handelt es sich um einen freitragenden Tiefdecker mit Doppeldeltaflügel, vorderem Stützflügel und einfachem Seitenleitwerk. Die Zelle der Maschine ist für ein Bruchlastvielfaches von 12 g ausgelegt. Man entschied sich nach langwierigen Untersuchungen in den verschiedensten Windkanälen für ein Doppeldeltatragwerk mit zweiteiligen, hydraulisch betätigten Differentialklappen an den Hinterkanten, die aber parallel auch als Höhenruder verwendet werden können. Die Vorderkante der beiden Hauptflügel weist eine sogenannte Verbundpfeilung auf, d. h. die Außenteile sind nach dem "Sägezahnprinzip" vorgezogen und leicht geschränkt. Bei allen Klappen bzw. Rudern der Hauptflügel und vorderen Stützflügel kommt weitgehend Honeycomb zur Anwendung. Der in konventioneller Ganzmetall-Halbschalenbauweise gefertigte Rumpf der Viggen setzt sich aus folgenden Hauptbaugruppen zusammen: Rumpfvorderteil mit Radom, Cockpit und Lufteinläufen, Rumpfmittelteil mit Triebwerk und Rumpfhinterteil mit Nachbrenner und Schubumkehranlage. Bei besonders hochbeanspruchten Bauteilen, wie Flügel-, Bugfahrwerk- und Seitenflossenanschluß, entschieden sich die Konstrukteure für geschmiedetes, Leichtmetall und Stahl sowie in warmen Zellenbereichen für Titan. Der aus Kunststoff gefertigte Radom kann mittels einiger Schnellverschlüsse gelöst und auf Gleitschienen nach vorn gezogen werden, so daß dann die komplette vordere Radarausrüstung frei zugänglich ist. Dem vorderen Schottspant folgt das druckbelüftete und klimatisierte Cockpit, das mit einem von Saab entwickelten Zero-Zero-Schleudersitz ausgestattet ist. Normalerweise wird die nach hinten oben zu öffnende Haube vor dem Zünden der Sitzraketen abgesprengt. Im Notfall kann jedoch auch durch die Verglasung geschossen werden.Die aus Acrylverbundglas bestehende Planschelbe des Windschutzes ist vogelschlagfest. An der nächsten Rumpfbaugruppe, die das Lufteinlaufsystem bildet und sehr schwierig zu fertigen ist, sind außen die beiden Stützflügel angeschlossen. Das Rumpfhinterteil trägt auf seiner Oberseite die senkrechte, nach links klappbare Seitenflosse mit kraftverstärktem Ruder und unten eine kleine Leitfläche aus GFK. Unmittelbar vor der Seitenflosse erfuhr die Rumpfoberseite während der Viggen-Mustererprobung eine Änderung in Form einer wulstartigen Aufdickung. Dank dieser zellenseitigen Modifikation erreicht man bei gewissen Nutzlastkombinationen ein besseres strömungstechnisches Verhalten. Im vorderen Bereich des Rumpfhinterteils sind ferner vier Luftbremsen angeordnet, und zwar je eine zu beiden Seiten sowie unter dem Rumpf. Alle gegenwärtigen Versionen der Viggen - AJ 37, SF 37, SH 37 und SK 37 - sind mit einem der schubstärksten militärischen Turbofans der Welt ausgerüstet. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des zivilen Zweistromtriebwerks JT8D-22 von Pratt & Whitney, das in Schweden die Bezeichnung RM8A führt. Zur Leistungserhöhung wurde die Grundkonstruktion des JT8D bedeutend verstärkt, ohne dabei die innere Aerodynamik zu verändern. Volvo Flygmotor entwickelte eine neue Nachbrennkammer mit drei Verbrennungszonen und eine stufenlos verstellbare Schubdüse. Hinzu kam noch eine aus drei Teilschalen bestehende Schubumkehranlage im Ejektor des Rumpfhecks. Diese wird automatisch betätigt, sobald das Fahrwerk belastet wird und lenkt den Gasstrahl nach vorn um. Das RM8A entwickelt einen Standschub von 6700 kp, der durch Nachverbrennung auf 11790 kp ansteigt. Der Luftdurchsatz liegt bei 144 kg/s, und das Einbaugewicht des über 6 m langen RM8A beträgt 2100 kg. Für den Viggen-Interzeptor JA 37 ist das neue RM8B-Triebwerk vorgesehen, das gegenwärtig bei Flygmotor in der Entwicklung steht. Es weist einige technische Verbesserungen auf und gibt einen Nachbrennerschub von über 13 000 kp ab. Dank des RM8B wird die JA37 eine höhere Steiggeschwindigkeit, größere Reichweiten sowie bessere STOL- und Höhenflugleistungen haben. Die Kraftstoffanlage der Viggen besteht aus zwei Integralbehältern in den Flügeln, einem Sattelbehälter über dem Triebwerk, je einem Behälter zu beiden Seiten des Rumpfes und einen weiteren Behälter hinter dem Cockpit, der jedoch bei der Trainerversion SK 37 entfällt. Die Kraftstoffzufuhr des Triebwerks erfolgt mit Hilfe einer elektrischen Pumpe aus dem Sattelbehälter, der seinerseits ständig von den Nebenbehältern nachgefüllt wird. Der Betankungsstutzen befindet sich unter der rechten Flügelhälfte. Bei Bedarf kann Zusatzkraftstoff in abwerfbaren Behältern unter dem Rumpf mitgeführt werden. Das Fahrwerk der Viggen wurde für eine maximale Sinkgeschwindigkeit von 5 m/s entworfen. Die servogesteuerte und zwillingsbereifte Bugeinheit (18 x 5,5) ist mittels der Seitenruderpedale steuerbar und wird nach vorn eingefahren. Die beiden Haupteinheiten sind mit Tandemrädern (26 x 6,6) versehen und werden nach innen eingefahren. Als Werkstoff kommt beim Fahrwerk größtenteils hochfester Stahl zur Anwendung. Aus Sicherheitsgründen weist die Hydraulikanlage der Viggen zwei voneinander unabhängige Systeme mit einem Arbeitsdruck von je 210 kg/cm2 auf. Sie erhalten ihre Energie über je eine vom Triebwerk angetriebene Pumpe und eine elektrische Notpumpe. Das elektrische Bordnetz basiert auf einem flüssigkeitsgekühlten 60 kVA-Generator konstanter Drehzahl, der 210/115 V Dreiphasen-Wechselstrom mit 400 Hz liefert. Die Notstromversorgung erfolgt über eine 6 kVA-Stauluftturbine,die bei Stromausfall oder bei ausgefahrenem Fahrwerk automatisch ausgeschwenkt wird. Den notwendigen 28 V-Gleichstrom liefern Batterien und Gleichrichter. Die Avionik der Viggen setzt sich aus 50 "schwarzen Kästen" zusammen. Sie hat ein Gesamtgewicht von ca. 600 kg und ist in fünf Räumen untergebracht. Zur Ausrüstung gehören u.a. folgende Geräte: Automatischer Leistungsregler, SRA- Blickfeldanzeigegerät für die primären Flugwerte, AGA-Lageanzeiger und -Funkausrüstung, Arenco-Luftwertrechner mit Anzeigeinstrumenten, Radarhöhenmesser von STC, DopplerNavigationsanlage, taktisches Blindlandesystem (TILS) von AIL sowie das Radar PS 37/A von LM Ericsson. Nahezu alle elektronischen Geräte sind auf den 75 kg schweren Bord-Digitalrechner CK37 aufgeschaltet, der für ihre Funktionsprüfung und Überwachung im Flug wie am Boden programmiert ist. Das PS37-Radar ist bis auf die Mikrowellenröhren volltransistoriert. Der Parabolspiegel mit seinem beachtlichen Höhen- und Breitenbereich ermöglicht bei allen Einsatzarten eine Zielerkennung von höchster Genauigkeit. Zusätzlich kann das PS37/A aber auch für die Navigation verwendet werden, wobei für den Tiefflug eine Terrainfolge-Funktion durch Einsatz eines kleinen Computers erzielt wird. Gemäß ihrem Verwendungszweck kann die AJ 37 eine Vielzahl von militärischen Außenlasten mitführen. Sie besitzt insgesamt sieben feste Rumpf- und Flügelstationen, an denen neben Kanonen- und Raketenbehältern auch Bomben und moderne Lenkwaffen aufgehängt werden können. Als Hauptbewaffnung der AJ 37 gelten die beiden taktischen Luft-Boden-Lenkwaffen RB 04 und RB 05. Während die 600 kg schwere und mit deltaförmigen Endscheibenflügeln versehene RB 04 in erster Linie zur Bekämpfung von Seezielen dient, kann die moderne RB 05 nicht nur gegen Bodenziele, sondern auch im Luftkampf verwendet werden. Hinzu kommen Erdkampfraketen und Bomben der verschiedensten Kaliber sowie ein Behälter mit einer 30 mm Aden-Kanone. Für Interzeptoreinsätze kann die AJ 37 außerdem Luft-Luft-Lenkwaffen der Typen RB 24 (AIM-9 Sidewinder) und RB27/28 (AIM-4 Falcon) mitführen. Lediglich der in Entwicklung stehende Viggen-Interzeptor JA37 erhält an der Rumpfunterseite eine fest eingebaute 30 mm-Kanone vom Typ Oerlikon 304RK. Bei dieser Bordwaffe, die sich durch eine besonders hohe Treffgenauigkeit auszeichnet, handelt es sich um eine automatische Revolverkanone mit einer Kadenz von 1350 Schuß/min. Eine entsprechend umgebaute Viggen wird gegenwärtig in Linköping mit dieser Kanone erprobt. Abschließend sollte man noch die außergewöhnlich guten Wartungsmöglichkeiten erwähnen, die zur Erreichung einer möglichst hohen Einsatzbereitschaft des Waffensystems Viggen von Entwurfsbeginn an berücksichtigt wurden. Ober 100 Klappen- und Deckelöffnungen an Rumpf und Tragwerk gestatten einen leichten Zugang zu allen Systemen. Eine Bodenmannschaft von sieben Mann ist in der Lage, eine Viggen zwischen zwei Einsätzen in weniger als 10 Minuten aufzutanken und zu bewaffnen. Nach Angaben von Saab benötigt man nur 23 Mannstunden/Flugstunde, ein Wert, der bisher bei keinem anderen Flugzeug dieser Kategorie auch nur annähernd erreicht wurde. HANS REDEMANN
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