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EIN BEITRAG ZUR PAH-DISKUSSION: KAMPFHUBSCHRAUBER FÜR EUROPA ?

Die US Army hat kürzlich - unter dem Druck der Ereignisse im Mittleren Osten und veranlaßt durch in Vietnam gemachte Erfahrungen - ausgedehnte Übungen durchgeführt, in denen Einsatzeignung und -wirksamkeit des Panzerabwehrhubschraubers auf einem typisch europäischen Kriegsschauplatz untersucht werden sollten. Diese Tests fanden in den US-Bundesstaaten Texas und Kentucky statt - unter simulierten Bedingungen, mit denen wahrscheinlich in Mitteleuropa, dem Gebiet der größten Bedrohung, Ende der siebziger Jahre und in den achtziger Jahren gerechnet werden muß. Zwar unterliegen die Ergebnisse des Unternehmens, das in Fort Hood und Fort Knox ablief, der Geheimhaltung. Sie entsprechen aber mit Sicherheit nicht jenen Behauptungen gewisser "Wohnzimmer-Strategen", wonach sich die Lehren aus dem Vietnamkrieg und aus den Auseinandersetzungen im Mittleren Osten, was den Hubschrauber angeht, nicht auf die Verhältnisse zu Hause - also in Europa - anwenden ließen. Unser britischer Korrespondent Arthur J. Wallis, gleichzeitig ein Rüstungskommentator von Rang, untersucht in diesem Artikel die Möglichkeiten der Panzerabwehr vom Hubschrauber aus. Er geht insbesondere auf die in Europa herrschenden Einsatzbedingungen ein.

Während der Manöver der US Army mußten die Truppen eine Offensive starker Panzereinheiten abwehren. Die Defensiv-Streitkräfte machten sich die Beweglichkeit und den Überraschungseffekt von Kampfhubschraubern des Typs Bell AH-1Q HueyCobra zunutze, die mit TOW-Lenkwaffen von Hughes ausgerüstet waren. Die Kombination Hubschrauber-TOW hatte sich bereits in Vietnam während der Kontum-Offensive im April 1972 bewährt, als sich zwei Bell UH-1B, in die Prototypen des TOW-Visiergeräts XM-26 installiert waren, einen berühmt-berüchtigten Namen machten. Die beiden Maschinen überstanden den Vietnamkrieg unbeschädigt und zerstörten 39 Tanks und gepanzerte Fahrzeuge, 13 Lkw, Geschütze, Bunker, Flak-Stellungen und andere Ziele des Gegners. Sie erwiesen sich als besonders geeignet, kleine, gepanzerte Ziele zu vernichten, insbesondere solche, die sich in zu großer Nähe eigener Truppen befanden, um sie mit schnellen Starrflügelflugzeugen angreifen zu können.

Wenn Vietnam die Leistungsfähigkeit des bewaffneten Hubschraubers unter Beweis stellte, so wurde im Yorn Kippur-Krieg die Wirksamkeit der drahtgesteuerten, vom Boden abgeschossenen Panzerabwehr-Lenkwaffe überzeugend demonstriert. Ein britischer Reporter hat das so ausgedrückt: "Mit der Sagger-Panzerabwehrrakete war ein syrischer Bauer, der sich hinter einem Felsen hinkauerte, dem höchstkompizierten Tank mit all seiner tödlichen Feuerkraft mehr als ebenbürtig."

Der Yom-Kippur-Krieg hat den Israelis zwei bittere Lehren erteilt: Erstens, daß es nicht notwendigerweise der beste Weg ist, einen Panzer mit einem anderen Panzer zu zerstören, und zweitens, daß Flugzeuge gegenüber der neuen Lenkwaffengeneration, wenn sie als Verteidigiungsschild eingesetzt wird, in gleichem Maße verwundbar sind wie Panzer.

Als ich Israel kurze Zeit nach dem Siebentage-Krieg besuchte, führte ich eine Diskussion mit einem hochgestellten Vertreter der israelischen Streitkräfte, dIe sich um das fehlende israelische Luftverteidigungssystem mit Lenkwaffen-Abwehrschild und um das Nichtvorhandensein von Panzerabwehr-Waffen drehte und auf die Auswirkungen dieser Mängel auf einen potentiellen Konflikt der Zukunft einging. Die Antwort auf israelischer Seite lautete, daß Lenkwaffen rein defensiven Charakter aufweisen und daß demgegenüber die Motivation der gesamten israelischen Militärpolitik auf der Offensive beruhe. Diese Haltung ist die Israelis teuer zu stehen gekommen. Aber: Im Gegensatz zu einigen ihrer weniger kampferprobten "Kollegen" der westlichen Weit lernen die Israelis sehr schnell.

Rasch und tatkräftig zog man in Israel Nutzen aus den hochkomplizierten US-Waffen, die ins Land geflogen wurden, um dem massiven Lufttransportunternehmen der UdSSR zu begegnen. Sofort wurden TOW-Lenkwaffen als Infanteriewaffen ins Gefechtsfeld gebracht. Niemals zuvor war ein größeres Panzerabwehrsystem so schnell und mit so gutem Ergebnis in den Einsatz geworfen worden wie hier. Zur Zeit stellt man Überlegungen an, TOW auf die Luft-Boden-Einsatzrolle auszulegen.

Diese Entscheidung hat so manche Amerikaner verwundert, die darauf hinweisen, daß der Mittlere Osten mit seinem wolkenlosen Himmel und seinem eintönigen Wüstenterrain einem Hubschrauber keinen Schutz und keine Deckung gewährt. Die Antwort eines kampferprobten israelischen Veteranen auf diesen Einwand ist äußerst aufschlußreich. "Während eines Gefechts", sagte er, "herrscht überall Verwirrung, gibt es Flammen und Rauchentwicklung. Die Sicht ist stark herabgesetzt - so stark, daß es oft ein Ding der Unmöglichkeit ist, festzustellen, wer gerade auf einen schießt. Man weiß nur, wenn man getroffen ist. Ein aufsteigender Hubschrauber mit Lenkwaffen könne dem Gegner enormen Schaden zufügen."

Tatsächlich haben die Lenkwaffen-Angriffe auf Panzer im Oktober vergangenen Jahres wegen der Rauch- und Staubentwicklung in einer Entfernung von ca. 1000 Metern stattgefunden. Das weist darauf hin, daß die "magische Zahl" von 4000 Metern Reichweite, die manche europäische Strategen als Forderung für eine Panzerabwehr-Lenkwaffe festgesetzt haben, an Bedeutung zu verlieren beginnt.

Im Verlauf der Manöver in Fort Knox und Fort Hood gelangten drei Abschußtechniken zur Anwendung. Die amerikanischen Bezeichnungen dafür sind "Hover", "Pop-Up" und "Running". "Hover" bedeutet den Lenkwaffenabschuß, während der Hubschrauber eine relativ feste Position über Grund einnimmt. "Pop-Up" dagegen wird so definiert: Der Hubschrauber fliegt das Ziel in geringer Höhe (unterhalb der Visierlinie) an und steigt erst zum Angriff auf das Ziel auf Höhe; die Vorwärtsgeschwindigkeit wird dabei beibehalten. "Running" schließlich bedeutet nichts anderes, als daß man in einer Minimum-Höhe, aus der das Ziel gerade noch zu sehen ist, anfliegt und daß die Fluggeschwindigkeit vor und während dem Angriff beibehalten wird.

Es ist bezeichnend, daß die Übungen in Kentucky und Texas in offenem Gelände, das von dichtem Gestrüpp und Jungwald umgeben war, stattfanden. Die geographischen Verhältnisse entsprachen etwa jenen in Mitteleuropa. Die Hälfte der Angriffe wurden gegen bewegliche Ziele (Fahrzeuge) vorgetragen. Die restlichen Einsätze erfolgten gegen gestoppte und getarnte Fahrzeuge, gegen eine Defensivsituation also.

Die 1st Cavalry der US Army in Fort Knox operierte mit vier Bell AH-1Q HueyCobra-Hubschraubern. Die Angriffe auf Panzerziele wurden auf Entfernungen von ca. 1400 m, 2600 m und 3000 m geflogen. Im Verlauf der Übung stellte sich heraus, daß es praktisch durchführbar war, die Reichweite der TOW-Lenkwaffe auf 3750 m zu bringen, indem man dünneren Steuerdraht verwendete. Die Trefferwahrscheinlichkeit wurde dadurch in keiner Weise beeinträchtigt. Es war sogar - bei verringerter Trefferrate - eine Erhöhung der Reichweite auf 4000 m möglich (immer bei der Kombination HueyCobra/TOW), was die Stand-Off-Fähigkeit und damit die Überlebenschancen des Hubschraubers beträchtlich erhöhte.

Beim Angriff auf jedes kleine, stark gepanzerte Ziel, wie es ein Tank darstellt, kommt es in viel größerem Maß auf Genauigkeit als auf Feuerkraft an. Um einen Panzer, insbesondere einen fahrenden Panzer, vom bewegten Hubschrauber aus zu treffen, ist eine Lenkwaffe fortschrittlicher Konstruktion erforderlich. Der Hauptvorteil des Hubschraubers ist der Überraschungseffekt. Seine überlegene Geschwindigkeit und sein weiter Einsatzbereich, insbesondere, wenn er gut getarnt ist, erlauben es ihm, sich an den Panzer "heranzuschleichen" und ihn zu zerstören, bevor die Panzerbesatzung überhaupt merkt, daß sie angegriffen wurde. Auch wenn es sich um eine größere Menge gegnerischer Panzer handelt, hat der Hubschrauber mit seiner Fähigkeit, außerhalb der Reichweite des Gegners zu bleiben und aus jeder Richtung angreifen zu können, das Überraschungsmoment für sich.

Panzerbesatzungen halten sich während der Kampfhandlungen innerhalb des Tanks auf - ihre Sicht ist sehr beschränkt. Ferner ist die Panzerbewaffnung nicht sehr gut für die Bekämpfung von Flugzeugen geeignet, wenn sich die Besatzung im Panzerinneren aufhält. Sie ist aber auch dann nicht sehr wirksam, wenn die Mannschaft den Turm öffnet.

Hubschrauberargumente

Eine radargelenkte Flugzeugabwehrkanone, die in einem gepanzerten Fahrzeug installiert ist, würde für den Panzerabwehrhubschrauber eine tödliche Gefahr darstellen. Nur: Die technischen Probleme sind beträchtlich, und der Einsatz eines solchen Fahrzeugs im vorgeschobenen Gefechtsfeld würde es selbst stark gefährden. Wenn eine derartige Kombination Flak/Panzerfahrzeug Erfolg haben soll, so muß zuerst das Problem der Feuerleitung (Radarstörungen und elektronische Gegenmaßnahmen sind zu erwarten) gelöst werden. Das macht die Verwendung eines höchst fortschrittlichen Radarsystems und einer Datenverarbeitungsanlage notwendig. Die Tatsache, daß eine derartige Kombination schwierig und nur mit erheblichem Kostenaufwand zu warten wäre, häufiges Munitionieren erforderlich machen würde und eine niedrige Trefferwahrscheinlichkeit - besonders gegen bewegte Ziele - aufweisen würde, macht sie zu einem sehr "kostenunwirksamen" Waffensystem. Verschiedene Versuche, ein derartiges Fahrzeug zu schaffen, sind fehlgeschlagen. Normale Flak-Fahrzeuge sind natürlich immer Teil von Panzerformationen. So haben die Sowjets das Fahrzeug ZSU-24/25 im Einsatz, das zwar über eine hohe Feuerkraft verfügt, aber Reichweiteneinschränkungen unterworfen ist.

Außerdern kann beim Eintsatz von Kampfhubschraubern gegen eine begrenzte Bedrohung, wie sie etwa eine Panzerspitze darstelft, sehr einfaches ECM-Gerät die Mrkung alIer radargesteuerten Kanonen zunichte machen. Durch Verwendung eines unkomplizierten Störsystems, das geriinges Gewicht aufweist, die Hubschrauber-Elektrik nicht Überlastet und nicht teuer ist, kann das Lenkradar sehr zulverlässig gestört werden. Das kann schon geschehen, wenn die Entfernungsdaten, die vom Radar beschafft werden, nicht mehr verfügbar sind: Das Zielsystem wird zu einem manuell bedienten und damit wirkungsarmenSystem degradiert.

Sicherlich sind ungeschützte Hubschrauber verwundbar gegen Kampfflugzeug-Angriffe. Aber naturgemäß würde man auf einem europäischen Gefechtsfeld bewaffnete Hubschrauber dann nicht einsetzen, wenn der Gegner die Luftüberlegenheit hat. Verfügt er aber darüber, so wird er auch den NATO-Nahunterstützungsflugzeugen schweren Schaden zufügen. Ist das Wetter für einen wirksamen Kampfflugzeug-Einsatz zu schlecht, so ist der Hubschauber viel weniger behindert. Das hat das Beispiel Vietnam gezeigt. Ein weiterer Faktor: Der Entwicklungsstand von Nachtsichtgeräten bessert sich vor allem zuerst bei jenen Systemen, die in langsam fliegendem Fluggerät zum Einbau gelangen und über geringe Reichweiten verfügen. Dies trifft also in höherem Maß auf den Hubschrauber zu als auf ein Starrflügelflugzeug.

Betrachten Mir nun die Forderung, das Ziel mit dem Gefechtskopf zu treffen. Zuerst einmal muß das Ziel gefunden werden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß es nahezu unmöglich ist, daß ein Hubschrauber einen 3 km entfernten Panzer findet. Natürltich gibt es Ausnahmen, so zum Beispiel, wenn sich der Panzer in offenem Gelände bewegt und Stauib aufwirbelt. Ein Panzer jedoch, der sich unter "intelligenter" Ausnützung des Geländes fortbewegt, ist extrem schwierig zu entdecken, wenn er über 2,5 km entfernt ist. Nachdern der Panzer aufgespürt ist, muß er angegriffen werden. Das bedeutet, daß der Hubschrauber momentan auf das Ziel gerichtet wird, während der Schütze feuert. Gleichzeitig muß der Hubschrauberpilot Flugmanöver durchführen können, was bedeutet daß das System das Ziel nicht nur unter den normalen Vibrationsbedingungen des Hubschraubers verfolgen können muß, sondern auch dann, wenn sich die Maschineim Kurven-, Steig- oder Sinkflug befindet.

Um die Manövrierfähigkeit des Hubschraubers nicht zu sehr zu beschneiden, muß die Lenkwaffengeschwindigkeit groß genug sein, um die Flugzeit zum Ziel auf ein Minlimium zu reduzieren. Kurze Flugzeiten der Lenkwaffe erlauben ferner höhere Schußfolgen und tragen so zum Überleben des Hubschraubers bei. Die Lenkwaffe muß darüber hinaus außerordentlich wendig sein, so daß sie auf der sich ständig ändernden Vislerlinie Hubschrauber-Ziel verbleiben kann.

Eine vom Hubschrauber aus eingesetzte Lenkwaffe muß außerdem .noch andere Eigenschaften aufwelsen um im Kampf effektiv eingesetzt worden zu können. Sie muß bei schlechten Lichtverhältnissen und bei Nacht "ihren Manin stehen". Sie muß auch gegen die Sonne hin abgefeuert werden können. Sie darf durch Infrarot-Interferenzen nicht nennenswert gestört werden. Sie sollte zuverlässig sein, keine Wartung erfordern, einfachen Aufbau haben, leicht abzufeuern sein und nur wenig Ausbildfung erforderlich machen. Die hervorstechende Eigenschaft dieser Lenkwaffe aber muß die Treffergenauigkeit sein. Das Treffen des Zieles beim ersten Schuß ist notwendiig. Nach dem heutigen Stand der Technik sind Lenkwaffen verfügbar, die eine Trefferwahrscheinlichkeit von über 90 Prozent beim ersten Abschß aufweisen -unabhängiig von der Entfernung.

Es hat großer Anstrengungen bedurft, einige Skeptiker nicht nur von den AnwendungsmöglIchkeiten dies Kampfhubschraubers in Europa, sondern auch vom Wert des Panzerabwehrhubschraubers überhaupt zu überzeugen. Aber: Eine sehr aufschIußreiche Übunig, dile unter dem Namen Ansbach-Versuche bekannt ist und 1972 in der Bundesrepubtik stattfand, brachte interessante Resultate. Das Treffer-Ergebnis lag zwischen 12: 1 und 34:1 zugunsten des Kampfhubschraubers, was einem Durchschnitt von 18:1 entspricht. In dieser Übing, die gemeinsam von den Streitkräften der Bundesrepublik, Kanadas und der USA durchgeführt wurde, standen US Army-Hubschrauber des Typs Bell AH-1G HueyCobra und Bell OH-58 Kiowa, die mit TOW-Lenkwaften bestückt waren, deutschen Leopard-Panzem und Vulkan-Panzerfahrzeugen der US Army gegenüber.

Obwohl die Ergebnilsse dieser Übung nicht hinwegdiskutiert werden können, ließe sich als Gegenargument vorbringen, daß - im Fall, es käme zu einer wirklichen Invasion mit Tausenden von Panzern - der Aggressor mit seinen Streitkräften nicht so schonend umgegangen wäre wie beispielsweise der Befehlshaber der deutschen Panzertruppe bei den Ansbacher Manövern. Die Sowjets mit ihrer gewaltigen Panzer-Übermacht, so muß man erwarten, würden in massiven Panzerformtatlonen vorgehen und eigene Verluste weitgehend ignorieren.

Der Abschuß der TOW-Lenkwaffen wurde durch die Aussendung von Laserstrahlen simiuliert, wo-bei eine Verzögerungszeit eingebaut wurde, die der Flugzeit der Lenkwaffe entsprach. Ein Treffer wurde dann gezähIt, wenn der Laserstrahl den auf dem Panzer oder Vulcan-Fahrzeug angebrachten Laserempfänger traf. Lm Anschluß daran wurde eine Rauchgranate ausgelöst. DieVulcan-Kanonen und die Flugzeugabwehr-MG der Leopard-Panzer waren mit ähnlichen Laser-Kanonen bestückt, die ebenfalls LaserstrahIen zu den auf den Hubschraubern angebrachten Laser-Empfängern aussandten, worauf in gleicher Weise Rauchentwicklung als Zeichen für einen Treffer einsetzte. Das Ansbach-Testmanöver war eine der freiesten Obungen dieser Art, die je in der Bundesrepublik durchgeführt worden waren. Die Panzer durften sich vollkommen unbeaufsichtigt über bestellte Felder bewegen - sogar Zäune durften niedergewalzt werden. Hier sind die, Ergebnisse:
* AH-1G-Abschüsse durch Flakfeuer: 10
* OH-58-Abschüsse,durch Flakfeuer: 4
* Panzer-Abschüsse durch AH-1G: 167
* Vulcan-Abschüsse durch AH-1G: 29

Zu viele Projekte

Einer der führenden Millitärkommentatoren Europas, Mr Vice-Marshal S. W. B. Menaul, Generaldirektor des britischen Royal United Institute for Defence Studies, hat in einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung erklärt:

"Der Westen liegt in der Entwicklung von Panzerabwehr-Lenkwaffensystemen, die vom Hubschrauber aus abgeschossen werden, weit vorn. Operationen in Vietnam und Versuche, die in Europa durchgeführt wurden, zeigen, daß mit Lenkwaffen bestückte Hubschrauber eine Trefferrate in der Größenordnung von 20:1 zu ihren Gunsten im Verglielch mit Panzern erzielen - wenn die Hubschrauber Taktiken befolgen, bei denen Wald, Gebäude und Hügel als Deckung benützt werden können."

Air Vice-Marshal Menaal fügte hinzu: "Aber es muß der richtlige Hubschraüber sein, und er muß mit der geeigneten Lenkwaffe ausgerüstet sein. Man muß sich der geeigneten Taktik bedienen, und der Hubschrauber darf nicht irgendein beIiebiger DrehflügIer sein, unter dem man eine Panzerabwehrrakete anbringen könnte ... Das beste im Einsatz befindliche Beispiel bietet die US-Kombination Cobra/TOW."

In Europa kann man sich allerdings nicht mit dem AH-1 HueyCobra befreunden, denn man ist der Meinung, dieser Hubschirauber sei zu groß und bei weitem zu kostspielig, um ihn als ernstzunehmenden Vorschlag ins Auge zu fassen. Hinsichtlich des Bedarfs an einem Kampfhubschrauber bestehen jedoch nach Meinung von General Jürgen Bennecks, dem früheren AFCENT-Chefkommandeur, keinerIei Zweifel. Bennecks erklärt: "Unter den Soldaten all-er Nationen herrscht die weitverbreitete Meinung, daß der Kommandant einer Division oder Brigade ein Hubschrauber-Bataillon für Panzerabwehrzwecke zur Verfügung haben sollte, das für die Panzerbekämpfung ausgerüstet und ausgebildet ist."

Eine kürzlich vom Vorteidigungsministeriurn der Bundesrepubik durchgeführte Studie sagt aus, daß die Staaten des Warschauer Paktes der NATO, was die Zahl der Panzer angeht, im Verhältnis 4:1 überlegen sind. Es wird betont, daß dlie Allierten zum Ausgleich dieses Mißverhältnisses Waffensysteme besitzen müssen, die hinsichtlich Mobilität, fortschrittlicher Elektronik und Werkstoffe überlegen sind. Die größte Bedeutung räumte man dabei - sowohl ,auf dem Boden als auch in der Luft - der Moblilität, also der Beweglichkeit, ein.

Die Regierung der Bundesrepubiik hat immer noch die Wahl bezüglich einer Panzerabwehrwaffe für ihre gepanzerten Fahrzeuge dies Heeres zu treffen. Die Konkurrenten sind TOW - die Lenkwaffe steht bereits beim deutschen Heer im Einsatz - und die gemeinsam von Messerschmlitt-Bölkow-Blohm und der französischen Aerospatiale entwickelte Lenkwaffe HOT. Die Entscheidung könnte sehr wohl die Wahl der Lenkwaffe für die Ausrüstung des Panzerabwehrhubschraubers beeinflussen, für den eine Ausschreibung besteht.

Als Testhubschrauber für HOT wurde einige Monate lang ein Bo 105 von MBB benützt, mit dem unter verschiedenen Bedingungen eine Reihe erfolgreicher Abschüsse vorgenommen wurde. Der Bo 105 scheint ein beachtlich vielseitiges Gerät zu sein und könnte sich sehr wohl als Lösung der Beobachtungs- und leichten Hubschrauberforderungen anbieten.

Vom Standpunkt der NATO aus betrachtet hat TOW den Vorteil, nicht nur Einsatzbewährung mit sich zu bringen, sondern auch im Dienst der Armeen der Bundesrepublik, der USA, der Niederlande und Italiens zu stehen. Weitere NATO-Landstreitkräfte wie die Kanadas, Luxemburgs, Dänemarks, Norwegens und der Türkei haben Aufträge erteilt. Die TOW-Lenkwaffe kann auf nahezu jedem europäischen Militärhubschraubermuster installiert werden und wird aus diesem Grund von verschiedenen NATO-Ländern als ihr wichtigstes luftgestütztes Heeres-Panzerabwehrsystem betrachtet.

Das Thema der Gemeinsamkeit von Waffensystemen innerhalb der NATO wurde kürzlich von General Johannes Steinhoff, dem früheren Vorsitzenden des Militärkomitees der NATO, angesprochen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte er, innerhalb der NATO würden ca. 13 ziemlich unabhängig voneinander verwirklichte Panzerabwehr-Lenkwaffenentwicklungen geringer Reichweite, durchgeführt. Weitere sechs Lenkwaffenprogramme größerer Reichweite seien inzwischen gestartet worden. Dabei bestünde lediglich Bedarf an zwei Lenkwaffenentwicklungen.

Und die Zukunft?

Wenn man in Großbritannien vor einigen Jahren mehr Vertrauen in den Kampfhubschrauber gesetzt hätte, könnte man in diesem Land jetzt eine Kampfversion des WG. 13-Hubschraubers im Einsatz haben. Aber dieser ideenreiche Westland-Entwurf ist nicht über das Reißbrettstadium hinausgekommen - aus Mangel an Interesse auf offizieller Seite. Es sieht nun so aus, als würde man jetzt in Großbritannien fertigentwickeltes Gerät aus dem Ausland für die Gazelle- :und Lynx-Hubschrauber beschaffen, und die Wahrscheinlichkelt für die Verwendung einer britischen Lenkwaffe ist gering. Obwohl die Sw-ingfire bei der britischen Rhein-Armee beliebt ist, befindet sich ihre Luft-Boden Version Hawkswing immer noch in der Entwicklungsphase und kann allem Anschein nach nicht sehr leicht auf diese Einsatzrolle adaptiert werden. HOT oder TOW dürfte hier größere Chancen haben.

Frankreich ist der Meinung, daß der Gazelle-Hubschrauber mit HOT als Bewaffnung die Panzerabwehr-Rolle meistern kann. Italien entwickelt den Hubschrauber Agusta A.129 Hirundo, der mit TOW bestückt werden soll, für gleichgeartete Einsätze.

Die zukünftige Generation luftbeweglichen Geräts der US Army wird bei weitem die Leistungsfähigkeit der in Vietnam eingesetzten Hubschraubermuster übertreffen. Bei Boeing Vertol und bei der Siikorsky Division von United Aircraft werden Prototypen für das UTTAS-Programm gebaut (UTTAS = Utility Tactical Transport Aircraft = Taktischer Mehrzweck-Transporthubschrauber), die in einem VergleichsfIiegen gegeneinander antreten werden. Zu einem früheren Zeitpunkt hat Boeing Vertol bereits den Forschungs- und Entwicklungskontrakt in der HLH-Ausschreibung gewinnen können (HLH = Heavy Lift Helicopter = Schwerlasthubschrauber), der zum Transport von Lasten bis zu 22,5 Tonnen über mittlere Entfernungen verwendet werden soll.

Im letzten Jahr haben schließlich Bell und Hughes Helicopter-Aufträge in der fortgeschrittenen Kampfhubschrauber-Ausschreibung AAH (Advanced Attack Helicopter) erhalten, die beide den Forderungen entsprechend mit TOW-Lenkwaffen ausgerüstet werden sollen. Die beiden Prototypen werden in drei Jahren gegeneinander antreten - dem Gewinner winkt ein bedeutender Produktionsauftrag, da dieser Hubschrauber das zukünftige Rückgrat der Panzierabwehr-Streitmacht der US Army bilden soll.

Was die Lenkwaffenentwicklung angeht, so wird die nächste Stufe darin bestehen, eine drahtlos gelenkte Panzerabwehrwaffe zu entwerfen, die sich das Zielselbst sucht. In anderen Worten: Diese Lenkwaffe wird vom Hubschrauber abgeschossen, und soll sich dann selbständig auf das Ziel aufschalten. Ein derartiges System würde die Verwundbarkeit des Hubschraubers durch Beschuß vom Boden aus weiter verringern, und die Möglichkeit mit sich bringen, daß der Hubschrauber außerhalb der Reichweite der Panzerkanone bzw. anderer Flak-Waffen bleiben könnte. Unter diesen Bedingungen wären alle Fahrzeuge in Begleitung von Panzerformationen, darunter solche mit Flugzeug- und Panzerabwehr-Lenkwaffen, relativ ungeschützt gegen vom Hubschrauber aus verschossene Luft-Boden-Lenkwaffen.

Es wird der NATO nie gelingen, mit den Warschauer Pakt-Staaten Panzer für Panzer und Flugzeug für Flugzeug gleichzuziehen. Aber der Westen ist im Besitz des technischen Know-How, das das Gleichgewicht durch den Einsatz hochentwickelter elektronischer Waffen wiederherstellen kann - wenn man sich entschIießt, dieses Know-How zu nutzen.

Arthur J. Wallis


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Last updated 1 June 1999
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