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JUNGFERNFLUG DES ERSTEN PANAVIA 200-PROTOTYPS

Am Nachmittag des 14. August startete auf dem Flugplatz Manching bei Ingolstadt der erste Prototyp (D-9591) des europäischen Mehrzweck-Kampfflugzeugs Panavia 200 zu seinem Jungfernflug. Dieser Flug, der aus verschiedenen Gründen mehrfach verzögert wurde, dauerte 33 Minuten und verlief zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten. Am Steuerknüppel der Maschine saß der englische Testpilot Paul Miliett von BAC und auf dem zweiten Sitz Nils Meister von MBB. Während des Erstfluges wurde bereits ein umfangreiches Testprogramm durchgeführt. Dazu gehörte neben dem Ein- und Ausfahren der Lande- und Nasenklappen und dem Einziehen des Fahrwerks auch die Verwendung der Schubumkehranlage bei der Landung.

Panavia 200 im Flug (erster Prototyp)

Zwölf Tage später - am 26. August - flog die erste Panavia 200 (P 01) zum zweitenmal. Bei diesem 50minütigen Flug wurden die beiden Flügelhälften um 45 Grad zurückgeschwenkt. Außerdem absolvierte die Maschine mehrere Flugmanöver und auch die Landung mit nur einem Triebwerk. Zu den weiteren Tests gehörte während des zweiten Fluges noch eine Überprüfung des Steuersystems unter Ausfallbedingungen.

Mit diesen beiden Flügen begann die Gesamterprobung in der Entwicklung eines Flugzeuges, die zu den wichtigsten europäischen Rüstungsvorhaben der Gegenwart zählt. Insgesamt werden neun Prototypen gebaut - der zweite und dritte (P 02 und 03) bei BAC In Warton, der Vierte (P 04) wiederum bei MBB und der fünfte (P 05) bei der Aeritalia in Turin. Von den restlichen vier Maschinen fliegen zwei (P 06 und 07) in Warton und je eine (P 08 und 09) in Manching und Caselle.

Den neun Prototypen der Panavia 200 folgen sechs Vorserienflugzeuge. Für die Luftwaffen der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannlens, Italiens sowie für die deutschen Marineflieger ist die Fertigung von rund 800 Serlenflugzeugen vorgesehen. Als erste deutsche Einheiten werden ab 1978 folgende Jagdbombergeschwader von der F-104G auf die Panavia 200 umrüsten: JaboG 31 Boelcke (Nörvenich), 32 (Lechfeld), 33 (Büchel) und 34 (Memmingen) sowie die MFG 1 (Jagel) und MFG 2 (Eggebek). Bei der Royal Air Force wird sie die Buccaneer und später auch die Phantom II ablösen.

Was die technische Konzeption der Panavia 200 anbetrifft, so verweisen wir auf unseren letzten ausführlichen Bericht in FR 9/1973. Ihre Haupteinsatzaufgaben sind Close Air Support (CAS), Air Superiority (AS) und Interdiction/ Strike (ID/S). Als Triebwerkanlage kommen bei der Panavia 200 zwei Dreiwellen-Turbofans vom Typ RB.199-34R zum Einbau. Sie entwickeln eine Schubleistung von zusammen 7720 kp ohne und 13 160 kp mit Nachverbrennung. Die maximale Geschwindigkeit soll in großen Höhen bei über Mach 2.0 und in Bodennähe bei 1350 km/h liegen.

Außer der festeingebauten Bewaffnung - zwei 27-mm-Maschinenkanonen von Mauser - kann die Panavia 200 an fünf Außenstationen eine Vielzahl militärischer Lasten mitführen. Bei der Mauser-Kanone handelt es sich um eine neuentwickelte Bordwaffe, die gegenwärtig mit einem entsprechend umgebauten Lightning-Jäger erprobt wird.


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Last updated 11. October 1999
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