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AUS DER MRCA-ENTWICKLUNG

Zur ersten öffentlichen Vorführung des europäischen Kampfflugzeugs Panavia 200/MRCA wurden verschiedene Informationen über das Flugzeug gegeben, die die bisher bekannten Daten ersetzen bzw. ergänzen.

Die Durchführung des MRCA-Programms liegt bei der internationalen Firma Panavia Aircraft GmbH in München mit den Gesellschaftern Aeritalla (15 %), British Aircraft Corporation (42,5 %) und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (42,5 %). Produzent des MRCA-Triebwerks RB.199-34R ist die Turbo Union Ltd., London, mit den Gesellschaftern Fiat (20 %), MTU (40 %) und Rolls-Royce (40 %).

Das Flugzeug ist für folgende Verteidigungsmissionen ausgelegt:
  * Gefechtsfeldabriegelung (Battiefield Interdiction)
  * Gesamtabriegelung/Angriff (Interdiction/Strike)
  * Marine-Einsatz (Naval Strike)
  * Luftüberlegenheit (Air Superiority)
  * Abfangeinsatz (Interception)
  * Aufklärung (Reconnaissance)

Die geforderten Stückzahlen werden von der Panavia wie folgt angegeben: "350 bis 400 für die RAF, 322 für die Luftwaffe und Marine der Bundesrepublik und ungefähr 100 für die italienische Luftwaffe". Das Flugzeug soll ab 1977 in Dienst gestellt werden.

Zu den äußeren Abmessungen nennt die NAMMA folgende Zahlen: Länge etwa 16,7 m (54,8 ft), Höhe etwa 5,7 m (18,7 ft), Spannweite gepfeilt 8,6 m (28,2 ft) und ungepfeilt 13,9 m (45,6 ft).

Unter Vertrag befindet sich der Bau von neuen Prototypen und der entsprechenden Großbauteile für die Bruchtests:

  • A/C 01: MBB, Manching. Erstflug 14.8.1974
  • A/C 02: BAC, Warton. Erstflug 1974
  • A/C 03: BAC, Warton. Erstflug 1974
  • A/C 04: MBB, Manching. Erstflug 1975
  • A/C 05: Aeritalla, Caselle. Erstflug 1975
  • A/C 06: BAC, Warton. Erstflug 1975
  • A/C 07: MBB, Manching. Erstflug 1975
  • A/C 08: BAC, Warton. Erstflug 1976
  • A/C 09: Aeritalia, Caselle. Erstflug 1976

Das Flugzeug 01 dient in der auf vier Jahre veranschlagten Gesamtflugerprobung aller Prototypen hauptsächlich für die Erprobung der Flugelgenschatten und der grundsätzlichen Cttarakteristiken. Dieses Programm wird ergänzt durch die Erprobung des Flugzeugs 02 der BAC. Es findet ferner Verwendung für die Triebwerkerprobung über die in allen Prototypen hinauslaufenden Triebwerksversuche. Das dritte Flugzeug ist der erste Trainer-Prototyp und wird speziell instrumentiert. Die MRCA-Avionik wird in den Flugzeugen 04, 07 und 08 eingebaut und erprobt. Der Prototyp 05 dient zur Ermittlung der Außenlasten - ein Programm, das mit dem letzten Prototyp 09 zur Untersuchung weiterer Bewaffnung ergänzt wird. Andere Versuche mit Lasten und die Erprobung der 27 mm-Mauser-Kanone werden mit dem Flugzeug 06 aufgenommen.

Zu diesem Erprobungsprogramm treten fünf weitere Flugzeuge verschiedener Muster hinzu. Ein Vulcan-Bomber dient zur ersten Flugerprobung des Triebwerks RB.199. Zur Erprobung der Mauser-Kanone im Flug dient ein Mach 2-Jagdflugzeug des Typs Lightning in Warton, Großbritannien. Spezielle Avionik-Systeme werden in einer Buccaneer (ab Jahresende in einer zweiten Maschine dieses Typs) getestet. Schließlich benutzt Texas Instruments zur Erprobung des Radars eine Convair 240.

Mit diesem Prototypenprogramm soll die Durchführbarkeit der Missions-Charakteristiken nachgewiesen werden, die offiziell wie folgt genannt werden:

  • Allwetterfähigkeit
  • Gutes Schub/Gewichts-Verhältnis
  • STOL-Kapazität mit Schubumkehr
  • Fähigkeit zum Transport schwerer konventioneller Waffen
  • Hohe Manövrierfähigkeit
  • Geschwindigkeit über Mach 2
  • Fähigkeit zum Überschallflug in extrem niedriger Höhe mit geringer Böenempfindlichkeit
  • Lange Reichweite und andere Missionen

Das MRCA ist autonom ausgelegt, d. h. es verfügt über ein eigenes Startsystem sowie über eine eingebaute Test- und Checkout-Anlage und kann somit nicht nur von den großen Militärbasen, sondern auch von vielen kleinen unvorbereiteten Plätzen und Straßenstücken aus operieren. Der Schlüssel zu dieser operationellen Fähigkeit ist die Verbindung des fortschrittlichen Triebwerks, der variablen Geometrie und der umfassenden Avionik.

Das Triebwerk RB.199 wurde speziell für das MRCA entwickelt. Sowohl seine Schubklasse von etwa 7 Tonnen sowie sein Kreislaufprozeß wurden in Abstimmung mit den Leistungsanforderungen des Flugzeugs festgelegt. Es handelt sich hier um den besonderen Fall, daß die gesamte Flugzeugkonfiguration auf dem günstigen Schub/Gewichts-Verhältnis von etwas über 7 aufbaut. Neuartig bei einem zweimotorigen Kampfflugzeug ist die Schubumkehr, die dem Flugzeug zu den Kurzstart- die entsprechenden Kurzlandeeigenschaften verleiht.

 

Die Finanzierung des MRCA-Projekts

Bei Herausgabe dieses Heftes haben die Bundestagsausschüsse für Verteidigung und für den Haushalt ihr Votum für die Fortsetzung des MRCA-Programms gegeben. Es ist dies ein Programm, welches nach den Worten von Verteidigungsminister Leber ohne Alternativen ist. Die Basis der Diskussionen in den Bundestagsausschüssen bildeten eine Vorlage des Verteidigungsministers und zusätzliche Informationen, die den Abgeordneten in verschiedenen Meetings von unterrichteter Seite gegeben wurden.

Mit der Vorlage kündigte der Verteidigungsminister den Abschluß weiterer Verträge mit den Partnerstaaten an. Hierzu zählt ein "Memorandum of Understanding" für die industrielle Flugerprobung mit einem deutschen Kostenanteil von DM 518 Mio., eine Vereinbarung über die Fortführung der Serienvorbereitung mit Aufwendungen für die Bundesrepublik von mehr als DM 342 Mio. und schließlich eine Vereinbarung über die Beschaffung von Teilen mit langen Lieferzeiten, die vom Bund DM 265 Mio. erfordern. Alles in allem beinhalten diese Verträge Aufwendungen in Höhe von rund DM 1,1 Mrd.

Diese Mittel treten zu den bisherigen Aufwendungen in Höhe von DM 169 Mio. für die Konzeption und Definition, von DM 1,194 Mrd. für die Entwicklung, von denen bis einschließlich drittes Quartal 1974 DM 1,16 Mrd. ausgegeben wurden und zu den ausgegebenen DM 60 Mio. für die Serienvorbereitung.

Nach Preisen von Ende 1973 wurde den Abgeordneten ein Stückpreis von DM 24,7 Mio. und ein Systempreis von DM 40,9 Mio. genannt. Für den bislang genannten deutschen Bedarf von 322 Flugzeugen sind danach DM 13,169 Mrd. (zu Preisen von 1973) erforderlich. Im Prinzip decken sich diese Angaben mit entsprechenden Informationen aus dem Bundeshaushalt.

Die Kosten der MRCA-Entwicklung wurden im Bundeshaushalt in den Kapiteln für "Wehrforschung und wehrtechnische Erprobung des Verteidigungshaushalts" in den letzten Jahren wie folgt veranschlagt bzw. verausgabt.

  • 1971: DM 171 903 000 ist
  • 1972: DM 299 000 000 ist
  • 1973: DM 395 000 000 ist
  • 1974: DM 376 000 000 soll
  • 1975: DM 353 600 000 Entwurf
  • Zwischensumme: DM 1 595 503 000

Hinzu kommen die Aufwendungen aus dem Beschaffungskapitel MRCA für die Serienreifmachung, Serienvorbereitung und Vorserie:

  • 1973: DM 21 800 000 ist
  • 1974: DM 106 000 000 soll
  • 1975: DM 160 000 000 Entwurf
  • Gesamtaufwendungen 1971 bis 1975: DM 1 883 303 000

Bis einschließlich 31. 12. 1973 lagen zur Beschaffung und Serienvorbereitung des MRCA keine Verpflichtungsermächtigungen vor. Die 1974 freigegebenen Verpflichtungsermächtigungen betragen DM 620 Mio.; für 1975 sind DM 478 Mio. vorgesehen. Beide Summen dürften wie folgt fällig werden:

  • im Haushaltsjahr 1975: DM 200 Mio.
  • im Haushaltsjahr 1976: DM 295 Mio.
  • im Haushaltsjahr 1977: DM 277 Mio.
  • im Haushaltsjahr 1978: DM 230 Mio.
  • im Haushaltsjahr 1979: DM 70 Mio.
  • im Haushaltsjahr 1980: DM 26 Mio.

Die gesamten Verpflichtungsermächtigungen betragen demnach - sofern die Anforderungen des Haushaltsjahres 1975 gebilligt werden - DM 1,098 Mrd.


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Last updated 18. November 1999
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