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Die traditionsreiche britische Firma Short Brothers hat eine neue Maschine in Flugerprobung, das Kurzstrecken-Zubringerflugzeug SD3-30 für dreißig Passagiere. Es ist die erste, die speziell nach den neuen Vorschriften der amerikanischen Der Markt für Feederliner hatte in den letzten Jahren hohe Zuwachsraten zu verzeichnen. Das nordirische Unternehmen Short Brothers&Harland Lirnited in Belfast konnte mit dem Stol-Mehrzwecktransporter SC. 7 Skyvan und der speziellen Zivilversion Skyliner auf dem US-Markt einige Verkaufserfolge bei Zubringergesellschaften erzielen, und es war zu erwarten, daß ein Nachfolgemuster für die Skyvan kommen würde. Im Mai 1973 gab die Regierung grünes Licht für den Vorschlag SD3-30 und sagte eine finanzielle Förderung von 4,5 Mio. Pfund zu. Im Grunde genommen ist die SD3-30 eine gestreckte Version der Skyvan mit einem auf 30 Passagiere erweiterten Platzangebot und genereller Auslegung nach den in den USA im September 1972 neugefaßten Richtlinien des Civil Aeronautics Board für Feederliner. Diese Part 298 genannte Vorschrift betrifft alle Flugzeuge bis maximal 30 Passagiere. Technische Auslegung Die Hauptentwurfsziele für Struktur und Systeme sind Sicherheit, Einfachheit, Zuverlässigkeit, lange Lebensdauer und einfache Wartbarkeit. Die Tragflächen sind dreiteilig, wobei die beiden Außentelle den Flügeln der Skyvan entsprechen. Das leicht trapezförmige Mittelstück wurde neu konstruiert und nimmt die beiden Turboproptriebwerke UACL PT6A-45 auf. Der Rumpfquerschnitt, und somit auch die meisten Spanten, entsprechen ebenfalls der Skyvan, wobei allerdings das Rumpfmittelstück mit den Hauptspanten für die Aufnahme der Flügelkräfte und des Fahrwerks neu entworfen wurde. Das Rumpfvorderteil wurde völlig neu gestaltet und enthält in der Nase einen sehr großen Gepäckraum, ein weiterer ist im Rumpfheck durch eine große Klappe an der hochgezogenen Rumpfunterseite zugänglich. Das komplette Leitwerk konnte wiederum von der kleineren Skyvan bis auf einige Verstärkungen weitgehend unverändert übernommen werden. Das von der kanadischen Firma Menasco entwickelte Fahrwerk ist hydraulisch einziehbar, wobei allerdings die Haupträder nicht ganz in die tropfenförmigen Verkleidungen seitlich des Rumpfes einfahren. Die Treibstofftanks liegen auf dem Rumpf vor und hinter dem Holmverband und bilden gleichzeitig die Rumpf-FlügelÜbergangsverkleidung, sie fassen 2180 LIter und verfügen über eine Einpunktdruckbetankung. Zwischen dem vorderen Tank und dem Cockpitdach liegt die Klimaanlage. Das elektrische Bordnetz ist für die allgemeinen Systeme mit 28 V Wechselstrom, für bestimmte Instrumente, die Avionik und die Treibstoff-Hilfspumpen jedoch mit 115V und 26V Gleichstrom ausgelegt. Die Enteisungsanlage umfaßt Tragflächen, Leitwerk, Triebwerkseinläufe und Windschutzscheiben, so daß das Flugzeug für Flüge unter "bekannten Vereisungsbedingungen" geeignet ist. Alle Ruder werden über Stoßstangen betätigt, die Trimmung über Seile. Die Kabine ist 9,47 m lang und kann entweder mit einer Bestuhlung für maximal 30 Passagiere ausgerüstet oder im Frachteinsatz bei 34,83 cu m Raum 3400 kg befördern. Der lichte Kabinenquerschnitt von 1,98 m x 1,98 m erlaubt die Beladung mit Frachtstücken bis zur Größe der im inneramerikanischen Verkehr üblichen D-Container. Mit einer beweglichen Zwischenwand kann die Kabine für gemischten Einsatz von Passagieren und Fracht unterteilt werden. Quick-Change-Einsatz ist ebenfalls möglich. Die beiden Triebwerke UACL PT6A-45 haben eine Startleistung von je 1120 PS und eine Dauerleistung von 1020 PS. Die von Hartzell speziell entwickelten 5-Blatt-Propeller laufen mit relativ geringer Drehzahl und sorgen dafür, daß die Lärmvorschriften der FAA nach FAR Part 36 nicht nur eingehalten, sondern sogar noch unterschritten werden dürften. Unter der Bezeichnung SD3-M bietet Shorts die neue Maschine auch in militärischer Version an. Dabei können 34 Soldaten oder 26 Fallschirmspringer, 3630 kg Fracht oder 15 Krankentragen plus drei Mann Sanitätspersonal befördert werden. Die von der Skyvan her bekannte Heckladerampe kann, wie auch in der zivilen Version, als Zusatzausrüstung geliefert werden. Markt und Programm Shorts schätzt das Marktpotential in dieser Klasse auf etwa 600 Maschinen und hofft, davon einen Anteil von 25 bis 30 % erringen zu können. Durch die weitgehende Verwendung der in der Skyvan bewährten Technik wird der Preis der SD3-30 relativ niedrig liegen. Allerdings erhöhten sich die ersten Preisvorstellungen von 400000 Pfund inzwischen auf mehr als 500000 Pfund. Ein Hauptverkaufsargument wird der in dieser Klasse bisher ungewohnte Großraum-Look der SD3-30 sein. Die Kabine bietet volle Stehhöhe und eine Bestuhlung in zehn Reihen mit einem Sitzabstand von 0,76 m. Für das Wide-Body-Gefühl sorgt die gleiche US-Firma, die die Innenausstattung für die Boeing 747 entworfen hat. So fehlen z. B. auch nicht die abschließbaren Handgepäckfächer über den Sitzreihen. Der von einem modernen Großraum-Jet in die SD3-30 umsteigende Fluggast soll damit die gleiche Atmosphäre vorfinden wie in der großen Verkehrsmaschine. Das Entwicklungsprogramm der SD3-30 verlief bisher nach einem eindrucksvoll straffen Zeiplan. Der Erstflug fand am 22. August 1974 unter Shorts Cheftestpilot Don Wright statt, Wenige Tage vor Beginn der Luftfahrtschau in Farnborough, wo die Maschine der Fachwelt präsentiert werden konnte. Im Oktober dieses Jahres sollen die statistischen Tests abgeschlossen sein, im Dezember die Ermüdungsversuche. Für Juni 1975 sind Tropenversuche vorgesehen und mit der Zulassung rechnet man im September 1975. Gleichzeitig sollen die ersten Maschinen an die Kunden ausgeliefert werden. Die ersten Bestellungen über drei SD3-30 waren noch vor Aufnahme der Flugerprobung von der US-Zubringergesellschaft Command Airways aufgegeben worden. Shorts Managing Director Philip Foreman ist der Ansicht, daß die SD3-30 das bedeutendste Zivilprojekt in der Geschichte des Unternehmens werden wird.
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