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AVION DE COMBAT FUTUR: SUPER MIRAGE

Seit mehr als fünfzehn Jahren gehört die französische Mirage III/5 zu den erfolgreichsten Mehrzweck-Kampfflugzeugen der Welt. Sie steht bei den Luftstreitkräften von zwanzig Ländern im aktiven Truppendienst und hat sich hervorragend bewährt. Ihr direktes Nachfolgemuster ist die moderne Mirage F.1, die seit Detember 1973 bei der Armée de l'Air eingeführt wird (siehe FR 10/1974).

Die erfolgreiche Mirage-Familie wäre jedoch nicht ganz komplett, wollte man die Entwicklung des Schwenkflüglers bei Dassault vergessen. Bereits im Mai 1964 stellte diese Firma ihren ersten Entwurf vor. Es handelte sich um ein 15 Tonnen schweres, trägergestütztes Kampfflugzeug mit zwei RB.153-Turbofans und einem Tragwerk variabler Geometrie. Noch im Herbst desselben Jahres begann man bei Dassault mit systematischen Untersuchungen auf dem Gebiet der Schwenkflügeltechnik.

Nachdem man die zahlreichen Probleme einigermaßen "im Griff" hatte, liefen Anfang 1966 Konstruktion und Fertigung eines Experimentalflugzeugs an. Zwei Jahre später waren diese Arbeiten schon so weit fortgeschritten, daß man mit ,ersten Standschwingungsversuchen beginnen konnte, und im September 1967 stand die mit Mirage G bezeichnete neue Maschine auch für Rollversuche zur Verfügung. Dazwischen lag am 27. Mai 1967 und anläßlich des Pariser Aero Salons noch ihre Vorstellung vor einem kleinen Kreis interessierter Fachleute in Melun-Villaroche.

Zu einem ersten, inoffiziellen Testflug startete die Mirage G unter der Führung desTestpiloten Jean Coureau am 18. Oktober 1967 in Melun. Danach wurde sie in ihre Baugruppen zerlegt und zum Flugversuchszentrum Istres bei Marseille überführt, wo schließlich am 18. November 1967 ihr echter Jungfernflug stattfand. Bereits während ihres elften Testflugs erreichte sie am 8. Dezember doppelte Schallgeschwindigkeit.

Dassault Mirage G

Bei der Mirage G, die mit einem 9300 kp-Strahltriebwerk des Typs P & W/SNECMA TF-306 E ausgerüstet war, handelte es sich um einen zweisitzigen Schulterdekker mit einem Startgewicht von 15200 kg. Der Schwenkbereich des mit Nasen- und Doppelspaltklappen versehenen Flügels lag zwischen 20 Grad im Langsamflug und 70 Grad im Schnellflug. Die Konstruktion des Schwenklagers, bei dem ein hochfester, vergüteter und schweißbarer Sonderstahl (175 kg/qm) zur Anwendung kam, ließ sich Dassault patentieren. Die beiden Schwenklager wurden zur Reduzierung des Reibungskoeffizienten mit dem Werkstoff Fabroid ausgekleidet, einem Spezialgewebe aus Glas- und Teflonfasern. Der gesamte Schwenkvorgang in einer Richtung dauerte nur 15 Sekunden. Besondere Bedeutung maßen die Konstrukteure der Abdichtung der rumpfseitigen FIügelschlitze bei. Man bediente sich dabei neuartiger, flexibler Schiebeblenden und einer aerodynamisch "sauberen" Lösung.

Als primäre Einsatzaufgabe der geplanten Serienausführung der MirageG galt die Abfangjagd in großen Flughöhen. Es waren jedoch auch Strike- und Aufklärungseinsätze bei Überschallgeschwindigkeit in Bodennähe vorgesehen. Neben der Armée de l'Air interessierte sich seinerzeit auch die Aéronavale für dieses Flugzeug als mögliches Nachfolgemuster der LTV F-8F Crusader. Die trägergestützte, einsitzige Ausführung mit der Bezeichnung G.2M kam allerdings über ihr Attrappenstadium nicht hinaus. Am 13. Januar 1971 stürzte die Mirage G in der Nähe von Istres ab und wurde völlig zerstört. Während ihrer mehr als 300 Testflüge lieferte sie jedoch eine große Zahl wichtiger technischer Daten und Erkenntnisse auf dem Gebiet des Schwenkflügels.

Sie leitete zur zweisitzigen, zweistrahligen Mirage G.4 über, von der die französische Regierung Ende 1968 zwei Prototypen bei Dassault in Auftrag gab. Als Triebwerkanlage waren für die G.4 zwei ATAR 9K50 mit einer Nachbrenner-Schubleistung von zusammen 14320 kp vorgesehen. Doch noch während der Entwicklung der G.4 wandte sich die Armée de l'Air von diesem zu kostspieligen Muster wieder ab. Sie forderte statt dessen ein leichteres Mehrzweck-Kampfflugzeug, das die Typenbezeichnung Mirage G.8 erhielt. Beide G.4-Prototypen wurden noch in der Konstruktionsphase als Experimentalflugzeuge entsprechend abgeändert und schon am 8. Mai 1971 startete die G.8-01 unter der Führung von Jean-Marie Sagst in Istres zu ihrem Erstflug. Dieser dauerte eine Stunde, und die erreichte Höchstgeschwindigkeit lag bei Mach 0,73. Doch bereits fünf Tage später kam sie anläßlich ihres vierten Testflugs auf eine Geschwindigkeit entsprechend Mach2,03. Dabei wurden auch die beiden Flügelhälften erstmals in ihre maximale Pfeiistellung (70 Grad) geschwenkt. Nach insgesamt 220 Testflügen konnte das Erprobungs-Programm mit der G.8-01 im Juli 1973 abgeschlossen werden. Sie wurde danach dem Musée de l'Air in Chalais-Meudon zur weiteren Verwendung übergeben.

Am 13. Juli 1972 flog auch die Mirage G. 8-02, bei der es sich im Gegensatz zum ersten Prototyp jedoch um einen Einsitzer handelte. Sie erreichte während ihrer Flugerprobung im Juli 1973 eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,34 in 15000 m Höhe.

Das maximale Startgewicht der Mirage G.8, die in ihren äußeren Abmessungen ungefähr der F-4 Phantom II entspricht, beträgt 21000 kg. Bei einer Flügelfläche von 37,0 qm ergibt dies eine Flächenbelastung von 567 kg/qm . Das Tragwerk der G.8 ist mit Hochauftriebshilfen ausgestattet und besitzt keine Querruder. Bei maximaler Flügelpfellung erfolgt die Rollsteuerung durch Differentialverstellung der beiden Höhenruder.

Mit der Mirage G.8-02 wurde nicht nur die Steuerbarkeit im hohen Überschallbereich erprobt, sondern auch die Luftbetankung. In erster Linie dient sie jedoch als Erprobungsträger für ihr Nachfolgemuster Mirage G.8A, das anläßlich des Pariser Aero SaIons 1973 erstmals in Modellform zu sehen war. Dieses Muster, das überraschenderweise ein festes Tragwerk mit einer Nasenpfeilung von 55 Grad aufweist, befindet sich gegenwärtig bei Dassault-Breguet in der Konstruktion. Man verzichtete inzwischen auf die Bezeichnung G.8A und nennt das französischeStandard-Kampfflugzeug der achtziger Jahre heute nur noch Super Mirage oder ACF (Avion de Combat Futur). Die Armée de l'Air wandte sich mit diesem Muster wieder vom Schwenkflügel ab. Dassault-Breguet erhielt im Herbst 1973 den Auftrag zur Entwicklung eines Prototyps, dessen Flugerprobung Ende nächsten Jahres anlaufen soll. Als Triebwerkenlage sind für die Super Mirage, deren Höchstgeschwindigkeit bei Mach 2,5+ in 18000 m liegen wird, sind zwei SNECMA M.53 vorgesehen. Ihr normales Startgewicht, einschließlich eines Kraftstoffvorrats von 6200 kg, soll bei 20600 kg ohne Außenlasten liegen.

Von der Super Mirage, die ihren aktiven Truppendienst in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre aufnehmen soll, sind drei Ausführungen vorgesehen:

  • Einsitziger Interzeptor und Luftüberlegenheitsjäger mit zwei 30 mm-Kanonen und IR-Flugkörpern vom Typ Matra Super 530.
  • Zweisitziger Erdkämpfer mit Terrainfolgeradar für Einsätze in Bodennähe. Diese Version wird primär mit einer neuen AS-Lenkwaffe mit Atomsprengkopf bewaffnet sein, deren Reichweite bei 50 km liegen soll.
  • Zweisitziger, bewaffneter Allwetteraufklärer mit modernsten Infrarotsensoren und einer Kameraausrüstung für Einsätze im gesamten Flughöhenbereich.

All dies zeigt, daß man in Frankreich alles unternimmt, um die Weiterentwicklung der Mirage III kontinuierlich und erfolgreich fortzusetzen. Mit der Beschaffung der Super Mirage, von der die Armée de l'Air 200 Maschinen einführen will, erhofft man sich bei Dassault-Breguet eine Auslastung der Fertigungskapazität bis 1990.

Hans Redemann


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Last updated 29. May 2000
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