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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 8/75 INTERNATIONALES HUBSCHRAUBERFORUM BÜCKEBURG 1975Am 10. und 11. Juni dieses Jahres hielten die deutschen Heeresflieger in Bückeburg ihr 11. Hubschrauber-Forum ab. Diese Veranstaltung, die erneut glänzend organisiert war, gehört zu den interessantesten Fachtagungen der Luftfahrttechnik. Sie erfreut sich einer ständig zunehmenden internationalen Beliebtheit, was durch die erstmalige Teilnahme von Delegationen aus Japan und Indonesien besonders deutlich zum Ausdruck kam. In den frühen Nachmittagsstunden des 10. Juni eröffnete Brigadegeneral Hans E. Drebing, General und Inspizient der Heeresfliegertruppe, vor ca. 500 Fachleuten, Wissenschaftlern, Konstrukteuren und Offizieren aus nahezu allen NATO-Staaten in Bückeburg das 11. Hubschrauber-Forum. Es stand in diesem Jahr unter dem Leitthema "Hubschrauber der nächsten Generation". Drebing begrüßte als erstes eine Reihe besonderer Gäste, unter ihnen General Metzler, den französischen Stadtkommandanten von Berlin, Brigadegeneral Toledo, den Inspizienten der italienischen Heeresflieger sowie Generalmajor Bill Maddox, den Chef des US Army Aviation Center in Fort Rucker. Nach Angaben Drebings stellt sich für die deutschen Heeresflieger die Frage, wie trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Landstreitkräfte des Warschauer Pakts der gestellte Verteidigungsauftrag erfüllt werden kann. Alle Bemühungen um den technischen Fortschritt in der Hubschraubertechnik müssen voll genutzt werden. Dazu gehören vor allem die Weiterentwicklung und die Taktik des Blindflugs sowie die Ausbildung an Simulatoren. Weitere Punkteseien die Vermeidung des "Gleißens" von Rotoren und Maschinenteilen, die Entwicklung des Nachttiefflugs sowie die Enteisung von Hubschraubern. Bei all diesen Bemühungen müsse man mit der Zeit gehen und das bedeute gleichzeitig eine Rationalisierung der einzelnen Muster. Die Entwicklung von drei Standardtypen, die vom Verbindungs- und Beobachtungs-Hubschrauber (VBH) über den Panzerabwehr-Hubschrauber (PAH) bis hin zum Transport-Hubschrauber (LTH/MTH) reichen, müsse man auch weiterhin mit hoher Dringlichkeit fortführen. Die ersten drei Fachvorträge hatten die bordgestützte Flugführung von Hubschraubern und damit verbundene Probleme zum Thema. Ihnen folgte ein Referat der Stuttgarter Firma Standard Electric Lorenz (SEL) über den Einsatz des TACAN-Bordgeräts MIDAC-M-D/A zur bordautonomen Flächennavigation. Dieses aus drei Teilen bestehende Gerät steht im Mittelpunkt der TACAN-Familie und ermöglicht den damit ausgestatteten Flugzeugtypen die Mittelstreckennavigation in Verbindung mit TACAN oder ORTAC-M, die Landung in Verbindung mit SETAC und den Formationsflug mit Hilfe von FOTAC. Für die bordautonome Navigation eignen sich in erster Linie Doppler-Navigatoren und Inertialsysteme. Da letztere für den Hubschrauber jedoch zu aufwendig sind, scheint die, Doppler-Navigation gegenwärtig die einzige, erfolgversprechende Möglichkeit zur bordautonomen Navigation zu sein. Die in Heidelberg ansässige Firma Teldix GmbH stellte im Rahmen ihres Referats das Projektionskartensystem PMS für taktische Hubschrauber vor, das von der Computing Devices Company, Kanada, entwickelt wurde. Dieses in Leichtbauweise ausgeführte System ist nach französischen und britischen Testberichten für den Blindflug mit Hubschraubern hervorragend geeignet. Der Beitrag der MesserschmittBölkow-Blohm GmbH bestand aus zwei Vorträgen: Werkstoffe und ihr Einfluß auf die wesentlichen Merkmale von Hubschraubern, sowie Entwicklung und Erprobung eines Enteisungssystems für den Hubschrauber Bo 105. Letzteres wurde im Auftrag des BMVgentwickelt und befindetsich noch im Versuchsstadium. Es umfaßt folgende vor Vereisung zu schützende Komponenten des Hubschraubers: Triebwerkeinläufe, Windschutzscheibe. Rotorsystem, Steuerungssystem sowie Rumpf und Leitwerk. Das Enteisungssystem für Haupt- und Heckrotor ist für Temperaturen bis -18 Grad C ausgelegt. Jedes Hauptrotorblatt ist mit sechs Heizelementen in Längsrichtung ausgestattet, die mit Gleichstrom versorgt werden. Die beheizte Fläche an der Blattnase beträgt 27%-t auf der Unterseite und 15%-t auf der Oberseite. Der Heckrotor verfügt ebenfalls über sechs Heizelemente pro Blatt mit einer spezifischen Heizieistungvon 2,64 W/qcm. Diese beiden Untersysteme der Bo 105-Enteisungsanlage werden durch eine elektronische Rotorenteisungssteueranlage überwacht, die von AEG-Telefunken entwickelt wurde. Die vielschichtige Problematik der Ver- und Enteisung erforderte ein abgestuftes Versuchsprogramm, in dessen Verlauf man die Risiken Zug um Zug eingrenzen konnte. Neben Teilversuchen in einem bei MBB gebauten, kleinen Prüfstand wurden u. a. mit der Bo 105 ohne Hauptrotorblätter-Versuche im Vereisungswindkanal in Wien gefahren. Hinzu kam 1972 noch ein 23stündiges Flugversuchsprogramm hinter dem Vereisungsprüfstand des National Research Council (NRd) in Ottawa, Kanada. Obwohl die von MBB begonnenen Versuche noch nicht abgeschlossen werden konnten, scheint sich hiereine interessante Entwicklung anzubahnen. Das Einbaugewicht einer kompletten und serienmäßigen Enteisungsanlage wird einschließlich eines vom Hauptgetriebe direkt angetriebenen Zusatzgenerators (10-12 kVA) bei ca. 32 kg liegen. Eines der modernsten Hubschrauber-Triebwerke des nächsten Jahrzehnts stellte die amerikanische Herstellerfirma General Electric in ihrem Referat vor. Es handelt sich dabei um die in Modulbauweise ausgelegte Wellenturbine T700, die eine mittlere Leistung von 1560 WPS abgibt. Sie ist für die neuen, noch in Entwickiung stehenden Hubschrauber UTTAS und AAH der US Army vorgesehen. Bis Mai 1975 konnten mit fünf Versuchstriebwerken der T700 insgesamt 4600 Betriebsstunden absolviert werden. Dazu gehört auch die bereits angelaufene Flugerprobung mit den UTTAS-Prototypen. Nach Angaben von GE verläuft das T700-Entwicklungsprogramm planmäßig und innerhalb der Kostengrenzen. Die Betreuung und mögliche Lizenzfertigung der T 700 für Europa hat die Münchner Firma MTU übernommen. Einen interessanten Vorschlag zur weiteren Verbesserung der Luftbeweglichkeit des Heeres machte die Firma Dornier mit ihrem Konzept des Luftbeweglichen Leichten Artillerieraketenwerters, kurz LLAR genannt. Bei einer Verwirklichung dieses Vorhabens kann man sich auf folgende, bereits in der Bundeswehr eingeführte Systeme bzw. Untersysteme stützen: leichter Transport-Hubschrauber Bell UH-1D, Ieichte Artillerierakete 110 mm (LAR) und Teile der Waffenanlage des Raketenwerfers110 SF. Ein Team der Firmen Dornier und Wegmann & Co. untersuchte gemeinsam verschiedene Konzeptionen, die nach den Gesichtspunkten technische Realisierbarkeit, Kosteneffektivität und Einsatz bewertet wurden. Dabei erwies sich eine Lösung am aussichtsreichsten, die keinerlei Änderungen am UH-1D erfordert. Wir werden diese Konzeption des LLAR noch in einem separaten Bericht und im Detail vorstellen. Serge Sikorsky von der United Technologies Corporation sprach über die weitere Verbesserung des Schutzes von Hubschraubern gegen feindliche Waffen. Er erwähnte dabei auch Kampfeinsätze in der Schlußphase des Vietnamkonflikts und während des arabisch-israelischen Kriegs im Oktober 1973. Sie sind als klassische Beispiele für die Verwundbarkeit von Hubschraubern durch starke Konzentration von Bodenfeuer, besonders aber durch radargesteuerte Flugabwehrwaffen anzusehen. Mit Untersuchungen in der Bundesrepublik und den USA konnten die Vorteile des bodennahen Fliegens und die reduzierte Gefährdungsspanne nachgewiesen werden. Eine Verringerung der Verlustraten von Hubschraubern in derart hochbedrohten Gebieten ist demnach durchaus möglich. Bei Sikorsky wird in diesem Zusammenhang die Verwendbarkeit eines auf dem Rotorkopf angebrachten Periskopsystems untersucht. Mit diesem kann der Hubschrauber das Kampfgelände überwachen und Ziele ausmachen, während er selbst der gegnerischen Sicht weitgehend entzogen ist. Eine Reihe interessanter Kurzvorträge bot eine Fülle zusätzlicher Informationen. Es würde jedoch den Rahmen dieses Berichts sprengen, wollte man detailliert auf sie eingehen. Den Abschluß des diesjährigen Hubschrauber-Forums bildeten eine statische Schau und Flugvorführungen auf dem Flugplatz der Heeresfliegerwaffenschule in Achum. Einen hervorragenden Eindruck hinterließen dabei die Demonstrationsflüge des zukünftigen Verbindungs- und Beobachtungs-Hubschraubers Bo 105 und des SAR-Hubschraubers Sea King Mk.41 in den Farben der deutschen Marineflieger. Nicht zu vergessen die exakten Flugvorführungen des von Sikorsky entwickelten YUH-60A (S-70) für das UTTAS-Programm. Seit Jahren ist die US Army Stammgast des Hubschrauber-Forums. Sie erschien diesmal erneut mit mehreren Maschinen: CH-54A Skycrane, CH-47C Chinook, AH-1G HueyCobra und OH-58A Kiowa. Hinzu kamen noch ein SA.33013 Puma und ein SA.341A Gazelle der französischen Heeresflieger. Hans Redemann
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