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BEDENKLICHE SITUATION

Wer als:Flugsicherungsbeamter den überalterten, schlechten Zustand der bundesdeutschen Flugsicherung öffentlich schildert, bekommt im Namen des Bundesverkehrsministeriums einen Maulkorb umgehängt. Äußert sich dieser Flugsicherungsbeamte in seiner Eigenschaft als gewählter Sprecher seiner zum Verband Deutscher Flugleiter gehörenden Kollegen gar - wie 1973 geschehen - zum Slow Go, wird gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Wer also Tatsachen und die Zusammenhänge zwischen politischen Versprechungen und ihren unzulänglichen Erfüllungen aufdeckt, wird im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums gerichtlich verfolgt. Eine bedenkliche Situation, die von der Ministerialbürokratie geschaffen wurde.

Der Fluglotse und Pressesprecher des Verbandes Deutscher Flugleiter, Regierungsoberamtmann Hans Stang, wird wegen seiner Offentlichkeitsarbeit angeklagt, die ihm als Beamten obliegenden Dienst- und Treuepflichten in schwerer Weise verletzt zu haben. Mehr als zwei Jahre nach seinen Erklärungen zum Slow Go hat Hans Stang eine Anschuldigungsschrift des Bundesdisziplinaranwaltes erreicht, die ich als beteiligter Journalist nur als einen Glanzpunkt schlapper Rache empfinde, weil sie ein Großteil entlastender Zeugenaussagen einfach verschweigt. Der Fluglotse Hans Stang wird nicht etwa der Teilnahme am Slow Go beschuldigt, ihm wird zur Last gelegt, über den Slow Go die Massenmedien unterrichtet zu haben.

Ein Mann, dem in der Vergangenheit wegen "vorbildlichsten Verhaltens" von seiner vorgesetzten Behörde Dank und Anerkennung ausgesprochen worden ist, soll nun mit Entlassung aus dem Beamtenverhältnis bestraft werden, weil er in Wahrnehmung berechtigter Interessen die Öffentlichkeit über die psychologische und materielle Situation der Fluglotsen informiert hat. Deswegen wurde er vorläufig vom Dienst enthoben (zweieinhalb Jahre lang schon), deswegen. wurde sein Gehalt drastisch gekürzt, deswegen wird er seit mehr als zwei Jahren mit Arbeitsentzug und mit dem Verlust seiner Lizenzen moralisch fertiggemacht.

Um dieses und die vielen andern in gleicher Sache anhängigen Verfahren schleunigst vom Tisch zu bringen, sollte sich Minister Gscheidle sofort dieser Sache annehmen. Denn ständig Pressionen ausgesetzte Fluglotsen sind eine Gefahr für den sicheren Luftverkehr über der Bundesrepublik. Und für diesen Zustand trägt der Verkehrsminister allein die Verantwortung.

Dieter Rivola


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Last updated 4. September 2000
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