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ZÖGERNDES ENGLANDAm Vorabend der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung in Hannover, die Gegenstand umfangreicher Berichterstattung in dieser Ausgabe ist, durchläuft das Airbus-Programm (siehe auch den Bericht auf Seite 48) eine lebenswichtige Phase. Es scheint, als sei dem europäischen Großraumflugzeug der Start auf dem US-Markt geglückt:23 Flugzeuge der Airbus-Ausführung A 300 B4 sollen bis 1982 an die US-Fluggesellschaft Eastern Airlines geliefert werden. Größere Bedeutung noch kommt aber jener Vertragsklausel zu, wonach Eastern auch eine Option auf 25 Einheiten der kleineren Airbus-Variante A 300 B10 erteilt hat. Damit verbessern sich die Chancen entscheidend, daß sich die Regierungen Frankreichs und der Bundesrepublik endgültig zur Produktion dieses kleinen Airbus-Bruders entscheiden und daß dann die für den vollen Durchbruch des Europa-Jumbos so lebenswichtige Airbus-Flugzeugfamilie entsteht. Nach dem französisch-deutschen Gipfel im März haben beide Partner dies- und jenseits des Rheins energisch an dieser Familie gearbeitet: Während die Entwicklungsarbeiten sowohl an der B10 als auch den JET-Verkehrsflugzeug-Entwürfen in den verbündeten Unternehmen zügig vorangetrieben wurden, besuchten im März und Anfang April Marketing-Teams im Auftrag der Airbus-Industrie die Luftverkehrsgesellschaften, um deren Reaktion auf beide Projekte in Erfahrung zu bringen. Aber es ist jetzt an Großbritannien, die Initiative zu ergreifen. An den Briten liegt es jetzt, an Bord der neuen europäischen Verkehrsflugzeug-Generation zu gehen. Geschieht dies, so werden die Luftfahrtindustrien Frankreichs, der Bundesrepublik und Großbritanniens voll in die Entwicklung einer Produktreihe einsteigen, die ihnen bis Ende des Jahrhunderts einen respektablen Platz neben den mächtigen amerikanischen Herstellerfirmen einräumen kann. Die drei Länder sind geradezu prädestiniert, sowohl durch Hinzufügung der Version B10 zu den Erstmustern B2 und B4 zu einer Airbus-Familie zu gelangen als auch jene neue 130- bis 160-sitzige Verkehrsflugzeug-Baureihe JET zu schaffen, von der vorher die Rede war. Zieht Großbritannien die europäische Lösung den Angeboten der US-Hersteller vor, dann winkt der britischen Industrie ein fetter Happen": die Entwicklung und Fertigung des neuen B10-Flügels und die Entwicklung und Endmontage der neuen JET-Flugzeuge. Aber man sollte die britische Opposition gegen ein europäisches Vorgehen nicht unterschätzen. Es ist möglich, daß sich Frankreich und die Bundesrepublik eines Tages innerhalb der Airbus-Industrie-Organisation alleingelassen sehen. Über die Folgen, die ein britisches Ausscheiden für die JET-Projekte hätte, sollte man sich baldmöglichst eingehend unterhalten, spätestens auf dem nächsten deutsch-französischen Gipfeltreffen. Dietrich Seidl
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