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Steve Hinton flog neuen Weltrekord für Kolbenmotorflugzeuge 800 KM/H MIT P-51D MUSTANGDer Geschwindigkeitsrekord für Kolbenmotorflugzeuge der Me 209 (Me 109R) stand dreißig Jahre lang auf 755,138 km/h, bis er vor zehn Jahren von einer Bearcat mit 776,45 km/h überboten wurde. Im letzten Herbst setzten die Amerikaner mit 800 km/h eine neue Marke.Zum ersten Mal in der Geschichte der Luftfahrt ist ein kolbenmotorgetriebenes Flugzeug offiziell schneller als 800 km/h geflogen! Eine weitgehend modifizierte P-51D Mustang wurde von Sportzeugen der U. S. National Aeronautic Association bei einer Serie von Überflügen über die 3 km Meßstrecke in der Wüste von Nevada am 14. August 1979 mit 803,2 km/h gestoppt. Die P-51D Red Baron wurde von Steve Hinton geflogen, einem langjährigen Piloten der Reno National Championship Air Races. Der 12-Zylinder V-Motor Rolls Royce Griffon war modifiziert worden und brachte mehr als 3000 PS auf die zwei gegenläufigen Dreiblattpropeller. Als Versuchsstrecke wurde der Trockensee Mud Lake etwa 20 km südöstlich Tonopah, Nevada, gewählt, 450 km östlich von San Francisco. Er liegt 1650 m hoch. Mit dieser Leistung wurde der bisherige Geschwindigkeitsweltrekord für Kolbenmotorflugzeuge (FAI-Klasse C-1, Gruppe 1) gebrochen, der am 16. August 1969 mit 776,45 km/h von Derryl Greenameyer in einer modifizierten Grumman Bearcat F8F-2 (N1111L), ausgerüstet mit einem ebenfalls mehr als 3000 PS leistenden Pratt & Whitney R-2800, aufgestellt worden war. Das Unternehmen hatte, nach Jahren der Planung und Vorbereitung, am 9. August mit einer Serie von Testflügen begonnen, bei denen mit 770 km/h der alte Rekord schon fast erreicht wurde. Am nächsten Tag sollte die Motorleistung noch erhöht werden, um die Rekordgeschwindigkeit zu erreichen, aber Hintons Triebwerk bekam einen Defekt, als er zum ersten Mal die Teststrecke anflog. Er schaffte gerade noch eine Notlandung auf dem nahegelegenen Flughafen von Tonopah, wo noch am gleichen Tag ein neues Rolls-Royce-Triebwerk installiert wurde. Am 11. August wurde der neue Rolls Royce mit reduzierter Leistung einige Stunden lang eingeflogen. Tags darauf ein neuer Rückschlag: Zündkerzenschaden nach dem zweiten von vier erforderlichen Flügen über die Meßstrecke! Und als der Schaden behoben war, waren die Wetterbedingungen zu ungünstig für weitere Rekordversuche. Der Wind war zu stark, die Temperatur zu hoch und die Luft zu böig. Endlich, am 13. August schien alles zu klappen, und bei einer Serie von Versuchsflügen am Morgen wurde eine inoffizielle Rekordgeschwindigkeit von rund 785 km/h gemessen. Nun waren die Red Baron-Leute sicher, die 800 km/h-Marke übertreffen zu können, denn die offengebliebene Heckradverkleidung und zu hohe Luftturbulenz hatten an die 20 km/h gekostet. Für solche Höchstleistungen zählt eben jedes kleinste Detail. In der folgenden Nacht zog ein heftiges Gewitter über die Wüste und brachte einen Temperatursturz von 43 Grad C auf 27 Grad C mit sich. Um 8 Uhr 30 des 14. August war dann die Zeit gekommen für einen ernsthaften Rekordversuch. Das Wetter stimmte. Mit einem Ladedruck von 265 cm (105 inches) holte Hinton das Letzte aus dem Griffon heraus: Die zwei Rückenwindflüge wurden mit 808 km/h und 817 km/h gemessen, die Gegenwindflüge etwas langsamer - im Durchschnitt 803,2 km/h! Das war neue Weltbestleistung. Das Rekordflugzeug war schon seit 1966 für Pylon-Rennen der Unlimited Class eingesetzt worden und konnte mit drei ersten und drei zweiten Plätzen sowie einem dritten Rang hervorragende Erfolge erzielen. 1977 schaffte Darryl Greenameyer damit in Reno auf dem 16 km Kurs in zehn Runden einen Schnitt von 693 km/h, und die beste Rundenleistung erzielte 1976 Roy McClain mit 701,67 km/h. Von der vertrauten, Original-P-51D-Mustang ist nur noch wenig übriggeblieben, da die Red Baron wiederholten Modifikationen unterzogen wurde, bis sie auf diesen Leistungsstand kam. Zwei Jahre lang war sie allerdings noch im ursprünglichen Zustand geflogen worden, lediglich die militärische Ausrüstung hatte man ausgebaut. 1968 wurden dann die Spannweite von 11,3 m auf 10,1 m reduziert und neue Randbogen angebaut. Ein Jahr später machte die Cockpithaube einer widerstandsärmeren Ausführung Platz, und statt des gerundeten wurde ein zugespitzter Spinner montiert. Der ziemlich ausgelaugte Rolls Royce Merlin wurde dann 1975 durch den größeren Griffon ersetzt, mit 36,7 1 statt 17 1 Hubraum. Um diese hohe Leistung zu verkraften, mußten ein gegenläufiger Doppelpropeller verwendet und das Seitenleitwerk (Flosse und Ruder) vergrößert werden. Seit diesen Modifikationen landete die Red Baron bei den Rennen in Reno, Mojave und Miami fast immer auf dem ersten oder zweiten Platz - nur einmal klappte es nicht, als das Ladergetriebe nicht mitmachte. Unter verschiedenen Piloten gewann die Maschine aber zuletzt alle vier Rennen der Unlimited Class. Noch sind keine Pläne bekannt, Steve Hintons Rekord anzugreifen. Vielleicht unternimmt ein Eigenbau-Rennflugzeug eines Tages diesen Versuch - aber das ist Zukunftsmusik. Text: Don Berliner
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